Hobby Wappen 200

Für größeres Bild bitte klicken!Wer an seinem Hobby  600 nichts selber machen kann oder will, der bringt ihn in eine Werkstatt. Wenn dann Arbeiten am Unterboden erforderlich sind, wird der Hobby 600 mit einer Hebebühne angehoben.  Was aber bei einem anderen Fahrzeug normal ist, ist für den Hobby 600 ausgesprochen schädlich.  Im Folgenden werde ich erläutern, warum ein Hobby 600 auf eine Grube gehört und wie man ihn richtig aufbockt.

So schrieb z.B. Karl Peter im Forum unter dem Titel Windschutzscheibe „Aber jetzt ist doch ein Problem aufgetreten welches ich mir nicht erklären kann und das Hobby Werk auch nicht. Es wurde die Windschutzscheibe erneuert, seitdem habe ich wenn er auf der Hebebühne steht einen Briefkastenschlitz am Übergang zwischen Dichtung und Dach.“  Dieses Problem haben viele Hobby 600 und es ist bauartbedingt.

Für das Verständnis müssen wir uns zunächst den Aufbau eines Hobby 600 etwas genauer betrachten. Die Basis für den Hobby 600 ist ein Flachbodenfahrgestell.  Eine Übersicht der Ducato Fahrgestelle für Wohnmobile  zeigt den Unterschied der verschiedenen Fahrgestelle. Im Prinzip ist das Flachbodenfahrgestell das Unterteil eines Kastenwagens. Das Fahrgestell besteht aus Längs- und Querträgern und den tiefgezogenen, profilierten Bodenblechen. Jeder, der schon mal versucht hat ein Stück Flacheisen und ein Rohr zu verbiegen, weiß, dass ein Rohr  deutlich stabiler ist. So müssen die Seitenwände des Wohnmobilaufbaus wie bei den Serien (Blech-)Kastenwagen eine stabilisierende Rolle übernehmen. Daher muss die Dimensionierung und die Anbindung des Wohnmobilaufbaus an das Fahrerhaus besonders sorgfältig ausgeführt werden.

Für größeres Bild bitte klicken!Bild 2 zeigt eine prinzipielle Darstellung des Hobby 600. Dabei ist das Fahrgestell vereinfacht  rot und der Aufbau vereinfacht blau dargestellt. Die Verbindung erfolgt im Prinzip an drei Stellen: auf dem Boden (A), an der B-Säule (B) und auf dem Dach des Führerhaus (C).

Leider gibt es vom Hobby-Wohnwagenwerk keinerlei Unterlagen über die Verbindungen.  Ich hatte allerdings Gelegenheit mir an einem Schlachtfahrzeug  die entsprechenden Informationen zu holen. Um es vorweg zu nehmen: ich war doch etwas überrascht und enttäuscht!

Beginnen wir mit der Verbindung (A) von Boden und Seitenwand bzw. Heckteil. Der Aufbauboden besteht aus einem Sandwich aus Sperrholz-Styropor-Sperrholz. An den Rändern dient eine Holzleiste als Abschluss und Verbindungselement zu den Seitenwänden bzw. Heckteil. Weitere Holzleisten bilden eine Verstärkung im Boden. Der Aufbauboden ist nur auf den Fahrzeugboden aufgelegt und mit ca. 10 Schrauben M10 verschraubt (siehe auch die Zeichnung zum Aufbau des Hobby 600). Die Verbindung kann durchaus als starr bezeichnen, obwohl hier mit Sicherheit eine bessere Stabilisierung durch eine vollflächige Verklebung erreicht worden wäre.

Für größeres Bild bitte klicken!Unterstellen wir mal, dass der Aufbau für sich stabil ist, dann gilt es nun die Verbindungen zum Führerhaus zu betrachten. Dazu betrachten wir am Foto eines Schlachtfahrzeugs (Bild 3) die Verbindung zur B-Säule (B). Der Aufbau ist breiter als das Fahrgestell und somit das Führerhaus. Zum Ausgleich verwendete das Hobby-Wohnwagenwerk an dieser Stelle Seitenpfosten aus GFK. Sie werden am Aufbau (unter einer Abdeckleiste) verschraubt. Die Verbindung zur B-Säule erfolgt ca. alle 10 cm mit einer 5mm Blindniete (B1). Zwischen Seitenpfosten und B-Säule dient ein Butylband als Dichtung und Klebeverbindung (B2). Die Seitenpfosten sind im Innenraum mit einer Sperrholzplatte verkleidet. Der Zwischenraum ist mit Styropor und Bauschaum locker ausgefüllt. Die Verbindung (B) kann man durchaus als starr bezeichnen. Die Seitenpfosten selber sind auf Grund ihrer Ausführung aber wie Dehnelemente zu betrachten.

Für größeres Bild bitte klicken!Somit kommen wir zu guter Letzt zur Verbindung des Aufbaudachs mit dem Führerhaus (C). Wie man auf Bild 4 sieht, ist das Dach des Führerhauses ca. 8 bis 10 cm vom Rand abgeschnitten. Das GFK-Dach selber ist wie eine Wanne. Die Verbindungskanten werden im Bereich von Seitenwand und Heckteil mit einer geklebten Holzleiste versehen, die Basis der Verbindung zu Seitenwand und Heck sind. Diese Verbindungen können als ausreichend stabil angesehen werden.

Für größeres Bild bitte klicken!Anders sieht es im Bereich des Führerhauses aus (Bild 5). Hier wird das Dach winklig auf das abgeschnittene Blech des Führerhauses gestellt. Anschließend wurde der Übergang Dach./. Führerhaus von innen mit mehreren Glasfasermatten und Epoxidharz verklebt (C1). Oberhalb des Führerhauses sind Einbauregale für die Aufnahme des Board-Control-Center (BCC) und der ursprünglichen Kassettenhalter verbaut. Dieses Regal ist auf jeder Seite mit einer M10er Schraube durch das Führerhausblech befestigt. Allerdings ist das Blech in diesem Bereich nicht sehr stabil, sodass die Muttern der Schrauben kaum angezogen sind. Nun kommt dazu, dass das o.g. Epoxidharz auf dem glatten Führerhausblech kaum verzahnt ist. Diese Verbindung mag im Neuzustand fest sein, aber….

Für größeres Bild bitte klicken!Betrachten wir uns nun die Lastverteilung des Fahrzeugs. Der Einfachheit halber sehe ich das Gewicht zwischen den Achsen (FG) als gleichmäßig verteilt an. Entscheidend ist das Gewicht des Antriebs (FM) vor der Vorderachse. (Das Gewicht hinter der Hinterachse vernachlässige ich bei dieser Betrachtung ebenfalls. Es wird allenfalls bei Rollerbühnen interessant.) Steht das Fahrzeug so auf seinen vier Rädern, dann dürfen keine Verspannungen in Fahrzeug und Aufbau auftreten, da die Gewichtskräfte entsprechend den Hebelarmen  den Stützkräften 2x FS/2 entgegenwirken.

Zum Anheben des Fahrzeugs hat FIAT je 2 Hebepunkte vor der Hinterachse (H) und hinter der Vorderachse (V) am Flachbodenfahrgestell angebracht. Diese Hebepunkte sind allerdings nicht speziell für den Hobby 600 sondern für den „normalen“ Kastenwagen gedacht, bei dem Seitenwände und Dach ja fest mit dem Aufbau verschweißt sind.

Betrachten wir nun unsere Kraftlinie mit den veränderten Hebepunkten, so verschieben sich die Punkte der Stützkräfte um jeweils ca. 60 cm zur Fahrzeugmitte. Während diese Verschiebung an der Hinterachse noch unkritisch ist, wirkt sich das Gewicht des Antriebs bei dem längeren Hebelarm nun negativ aus. Die Kraft auf das Fahrgestell wird vorne größer. Entsprechend treten erhöhte Kräfte auf die Verbindung Aufbaudach- Führerhaus (C) auf. Wo beim verschweißten Kastenwagen die Kräfte in das Dach geleitet und dort ausgeglichen werden, kommt es beim Hobby 600 zu Problemen. Auf Dauer löst sich die Verbindung des Epoxidharzes zum Blech und das Führerhaus neigt sich vorne herunter. Oberhalb der Windschutzscheibe entsteht der eingangs beschriebene „Briefkastenschlitz“. Begünstigt wird dieser Umstand durch die relativ flexible Ausführung der Seitenpfosten.

Ich habe tatsächlich schon Hobby 600 gesehen, bei denen man das Dach im Bereich des Führerhauses um ein paar mm anheben kann. Wer schon mal einen Hobby 600 demontiert hat, weiß dass das Dach im Bereich des Führerhaus nur lose aufliegt (C2) und Schleifspuren auf dem Blech des Führerhaus  (C3) zeigen wie das Dach hier gearbeitet hat.

Für größeres Bild bitte klicken!Grundsätzlich sollte man den Hobby 600 so wenig wie möglich mit einer Bühne anheben. Lässt es sich nicht vermeiden, dann möglichst nicht mit einer Hebebühne an den vier Original-Hebepunkten. Aber nun beginnt das eigentliche Problem: Die meisten Werkstätten verfügen nur über Zweisäulenhebehühnen. Man sollte sich für seinen Hobby 600 aber besser eine Werkstatt mit einer Grube oder einer Viersäulenbühne suchen, bei denen die Räder belastet bleiben.

Wie man vorgeht, wenn Arbeiten mit demontierten Rädern erforderlich sind, habe ich in der Anleitung zum Aufbocken des Wohnmobils beschrieben. Etwas abgewandelt kann diese Art des Aufbockens auch mit einer Grube oder Viersäulenbühne kombiniert werden. Wichtig ist dabei, dass der Hobby 600 im Endeffekt dicht neben den Achsen abgestützt wird, so wie es Bild 8 zeigt.

Bei Arbeiten nur an der Vorderachse (z.B. Bremsklötze wechseln) sollte der Hobby 600 von vorne unter dem Querträger (T) angehoben werden. Bei Fahrzeugen mit Unterbodenwanne ist diese natürlich vorher abzubauen.

Will man nur ein Rad alleine anheben, dann kann natürlich auch ein Original Hebepunkt benutzt werden. Die anderen Räder sollten auf jeden Fall auf dem Boden bleiben um die Last entsprechend aufzunehmen.

Für größeres Bild bitte klicken!All diese Maßnahmen sind natürlich nur ein Beseitigen der Symptome. Eigentlich müsste man die Ursache beseitigen und das wäre eine starre Verbindung zwischen Aufbaudach und Führerhaus zu schaffen. Die Frage ist nur, ob dann nicht an anderer Stelle Spannungen auftreten.

Bei ausgebauter Windschutzscheibe sollte man auf jeden Fall das Dach leicht anheben und den Zwischenraum mit einem elastischen Klebstoff (z. B. Sikaflex 252) neu verkleben.

Kommentare  

#2 Hebebühne..Hundebites 2017-01-23 21:41
Hallo Wilfried,
vielen Dank für diesen super Bericht.
Dann werde ich auf jeden Fall meine Tüv und H Kennzeichen Abnahme nicht bei uns in der Werkstatt machen. Wir haben nur Bühnen. Aber zum Glück gibt es noch ne Grube bei der BMW Werkstatt, wo ich vorher 20 Jahre gearbeitet habe. Und es kommt der gleiche Dekra Prüfer.. es ist ja schon eingeweiht..

Danke und Gruß Olli
-1 #1 Regenrinne über FahrertürRentnergustav 2017-01-23 04:17
Danke für diese Superbeschreibu ng. Wenn dann die GFK - Klebung an der Regenrinne über der Tür sich löst, dann läuft halt das Wasser - bei Starkem Regen oder wenn die Rinne ewas Gefälle nach hinten hat - in der Bsäule runter, dann hinter dem Warmwasserberei ter in den Holzboden und weiter ..... und überall, wo einfach nur Epoxy vor 30 Jahren als Kleber missbraucht wurde ist diese Verbindung jetzt "unzuverlässig" . Hier ist die beste Idee für diese Undichtung gefragt. Danke, Wilfried, für diese Superdarstellun g.

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95 59c8b9a2d1582Hobby600.de ist ein privates Portal für Freunde des Wohnmobil- Klassikers aus Fockbek. Gemeinsam mit vielen anderen Hobby 600-Fahrern und der Unterstützung des Hobby-Wohnwagenwerk habe ich hier viele Informationen und Erfahrungen über das Fahrzeug zusammengetragen und öffentlich zugänglich gemacht.

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