Hobby Wappen 200

Für größeres Bild bitte klicken!

Zu den Besonderheiten des Hobby 600 zählt das Bord-Control-Center (BCC) der Aufbau-Elektrik. Im Führerhaus befindet sich über der Windschutzscheibe das Panel mit der Anzeige- und Schaltereinheit, sowie dem Laderegler. Bordbatterie und Ladeblock befinden sich unter der vorderen Sitztruhe. Diese Technik sieht zwar gut aus, ist aber etwas in die Jahre gekommen.

In verschiedenen Beiträgen wurde hier auf Hobby600.de bereits der Austausch des Ladegeräts und den Einbau eines Batteriewächters beschrieben.

Beide Lösungen basieren auf der original Strommessung mit Nebenwiderstand und Amperemeter im BCC. Neben der Ungenauigkeit dieser beiden Komponenten sind die unnötig langen Leitungswege (vom Ladeblock 3,7 m hoch zum BCC und dann wieder 3,7 m runter zur Bordbatterie) nachteilig. Übergangswiderstände in den zahlreichen Steckverbindungen kommen noch hinzu.

Zwar kann man mit etwas Erfahrung mit Hilfe von Ampere- und Voltmeter Aussagen über die Funktionalität der Lademöglichkeiten und die Stromentnahme der Verbraucher treffen, aber spätestens bei der Frage „Wie voll ist meine Aufbaubatterie?“ muss man passen. Was bei einem Wasser- oder Dieseltank selbstverständlich ist, fehlt hier: Eine Tankuhr für die Batterie!

Für größeres Bild bitte klicken!Mit dem LCD-Batterie-Computer 100S von Votronic fand ich jetzt das geeignete Produkt. Ein Mess-Shunt wird so an die Batterie angeschlossen, dass alle Ströme über diesen Shunt fließen. Zusätzlich wird der Shunt mit jeweils 12V- Versorgungsspannung von Batterie 1 (Starterbatterie) und Batterie 2 (Aufbaubatterie) versorgt bzw. angeschlossen. Eine Signalleitung verbindet den Mess-Shunt mit dem eigentlichen Batterie-Computer. Bei der Inbetriebnahme müssen zunächst einige Grunddaten (Systemspannung, Batterietyp und Batteriekapazität) eingestellt werden. Zusätzlich kann ein Schaltausgang parametriet werden. Damit kann z.B. ein zusätzlicher Tiefentladeschutz realisiert werden. Anschließend wird die Batterie mit dem Ladegerät mindestens 24 Stunden auf 100% aufgeladen (Wichtig: Batterie muss vorher mindestens zu 75% entladen sein). Danach ist das Gerät einsatzbereit. Auf seinem Display können wechselweise folgende Messwerte angezeigt werden: Spannung Batterie 1, Spannung Batterie 2, Strom Batterie 2 (positiv bzw. negativ) und Kapazität der Aufbaubatterie wahlweise in Ah oder %. Zusätzlich wird die Kapazität ständig in einer Balkenanzeige in 10%-Schritten dargestellt. Zusätzlich bekommt man Informationen über den Zustand des Schaltausgangs und ob die Batterie geladen wird. Auf Tastendruck kann das Display auch für 3 Minuten beleuchtet (Beleuchtungsstärke einstellbar) werden.

Für größeres Bild bitte klicken!Erste provisorische Versuche mit dem Gerät waren dermaßen positiv, dass ich mit dem endgültigen Einbau sofort eine Modifizierung der Aufbau-Elektrik unseres Hobby 600 verband. Zur Ausgangslage: Das Fahrzeug war bereits mit einem Victron BluePower- Ladegerät 15A (1.) und einem Batteriewächter 35A (2.) gemäß Bild 3 ausgerüstet.

Gegenüber diesem Zustand nahm ich folgende Veränderungen vor (siehe Bild 4): Zunächst wurde wie bereits erwähnt der Batterie-Computer montiert (1.). Der Mess-Shunt kam an die Minus-Klemme der Aufbaubatterie. Das Anzeigegerät montierte ich mittels Votronic- Aufbaurahmen am BCC. Die mitgelieferte Verbindungsleitung ist steckbar und mit 5m Lange ausreichend lang. Die Verlegung erfolgte, wie der andere Kabelweg zum BCC auch, in der B-Säule und über der Fahrertür.

Als weitere MaßnahmeFür größeres Bild bitte klicken! verlegte ich den Batteriewächter vom BCC in die Sitztruhe. Dadurch konnte ich nun alle Verbraucher, die nicht über einen eigenen Unterspannungsschutz verfügten, mit dem Gerät abschalten. Das ist bei mir zwar nur die Steuerung für das Heckbett, aber der Vorteil ergibt sich in Verbindung mit den nächsten Punkten.

So montierte ich ein neues Trennrelais (3.) unmittelbar neben der Aufbaubatterie und verband es direkt (über Sicherungen) mit den Batterien. Für die Ansteuerung benutze ich den D+ der Lichtmaschine. Da unser Kühlschrank nie auf 12V betrieben wird, nahm ich die Verbindung zu den Relais r2 und r3 im BCC außer Betrieb. Ebenso wird die Spannung von Batterie 1 nicht mehr zum BCC geführt. Durch diese Maßnahme lädt die Lichtmaschine jetzt mit 7,4 m kürzerer Leitung direkt in die Aufbaubatterie.

Gleiche Maßnahme führte ich nun mit dem BluePower-Ladegerät (4.) durch. Jetzt wird zwar der Ladestrom nicht mehr am Amperemeter des BCC angezeigt, aber dafür habe ich ja jetzt den Batterie-Computer von Votronic.

Für größeres Bild bitte klicken!Der Vollständigkeit halber habe ich dann auch noch den 400W- Wechselrichter (5.) mit in meine Schaltpläne aufgenommen. Bild 5 zeigt die Montageplatte über dem Ladegerät unter der Sitztruhe.

Absolut begeistert bin ich von den Aussagen, die ich mit Hilfe des Batterie-Computers nun treffen kann. So konnte ich erstmals sehen, dass das BluePower auch tatsächlich in der I-Phase mit 15 A lädt. Anschließend geht es in der U0-Pase auf ca. 3 A runter, um dann in der Erhaltungsphase als Netzteil kleinere Verbraucher im Stand-by direkt zu bedienen, ohne die Batterie zu belasten. Die Verbraucher lassen sich auch auf 0,1 A genau anzeigen. Das Autoradio z.B. verbraucht 800 mA, eine LED- Schrankbeleuchtung 200 mA und die TrumaVent bei max.-Leistung ebenfalls 700 mA. So kann man natürlich ausrechnen, wie viele Stunden man die Verbraucher eingeschaltet lassen kann, bis die Batterie leer ist. Aber Vorsicht, man sollte eine Batterie nie mehr als bis zu 50% entladen, sonst nimmt sie Schaden. Meine Bleisäurebatterie hatte neu eine Kapazität von 90 Ah (20 h). Bedingt durch ihr Alter habe ich sie auf 85 Ah eingestellt. Somit kann ich ca. 45 Ah entnehmen. In der Praxis habe ich dies an einem Wochenende (im Sommer) nicht geschafft. Mag sein, dass es im Winter anders aussieht.

Die eigentliche Überraschung war für mich allerdings das Laden während der Fahrt. Hatte ich vorher auf dem BCC allenfalls ca. 5A ablesen bzw. schätzen können, so musste ich jetzt feststellen, dass die Lichtmaschine bei ¾ leerer Aufbaubatterie diese mit ca. 14 A lädt. Selbst, wenn ich mit Abblendlicht fahre, sind es noch über 10 A. Was hier und auch beim BluePower Ladegerät viel entscheidender ist: Durch die Reduzierung der Kabellänge um besagte 7,4 m bei einem Querschnitt von 4 mm2 wurde ein Spannungsfall von knapp 10% reduziert. Entsprechend geringer ist die Verlustleistung.

Überträgt man diese Erkenntnisse auf den Kühlschrank, so sollte man, falls man ihn während der Fahrt mit 12 V betreiben will, für die Spannung auf jeden Fall ein Relais unter die Sitztruhe bauen und den Weg über das BCC nur zur Ansteuerung dieses Relais benutzen.

Den Wechselrichter hatte ich schon immer unmittelbar an der Batterie angeschlossen. Von daher bekam ich vorher keine Aussagen über die Stromaufnahme. Nach Einabu des Batterie-Computers weiß ich jetzt, dass bei Betrieb des Laptop- oder Pedelec- Ladegeräts Ströme von 4 A bis 7 A aus der Batterie gezogen werden. Da ein Ladevorgang beim Pedelec so um die 4 Stunden dauert, sind das 28 Ah.

Zum Schluss natürlich auch ein Wort zu den Kosten. Batterie-Computer und Kleinteile haben mich ca. 180 € gekostet. Ob sich das lohnt, muss jeder für sich entscheiden. Ich für meinen Teil kann sagen: Eine Investition, die ich nur weiter empfehlen kann. Jetzt weiß ich endlich wie viel "Diesel" noch in meiner Aufbau-Batterie ist.

Dateien:
Hobby 600 - Modifikation der Aufbau-Elektrik

(1 Stimme)

Schaltbilder mit den einzelnen Phasen des Umbaus der Aufbauelektrik an unserem Hobby 600.

  1. Phase 0: Original-Schaltbild
  2. Phase 1: Ladegerät getauscht und Batteriewächter eingebaut
  3. Phase 2: Batterie-Computer eingebaut, Batteriewächter, Trennrelais und Leitungswege umgebaut, Wechselrichter nachgetragen
  4. Phase 3: Solaranlage eingebaut
  5. Phase 4: 2. Aufbaubatterie eingebaut, Verdrahtung geändert



Erstelldatum
Dateigröße
Downloads
07.09.2014 21:47:58
2.16 MB
841

Kommentare  

#5 AufbauelektrikJürgen F. Weigel 2017-09-28 22:00
Hallo Wilfried Leske,
die Beschreibung der Änderung am Schaltplan ist wirklich gut geraten. Sie ist sehr hilfreich und regt dazu an die eigenen Umbauten endlich mal ordentlich umzusetzen.
Vielen Dank für den Bericht
Jürgen
#4 ElekrtikDigby 2015-08-21 18:32
Hallo Wilfried,
ich habe mir die beiden PDF-Dateien zum Thema
Bordnetz runtergeladen. Mir den beiden Anleitungen
wird es mir hoffentlich gelingen eine stabile Versorgung zu gewährleisten. Bisher hatte ich immer ein Problem mit beiden Batterien, die immer leer waren.

Danke und Grüße
aus Dortmund
Hans-Joachim
+1 #3 Super AnleitungRentnergustav 2015-01-21 02:58
Moin, Wilfried,
die langen Zu- und Rückleitungen - Das ist das Thema - deshalb habe ich das damals von Dir empfohlene CTEK eingebaut und einfach das Original eingebaute Ladegerät aus der Steckdose rausgezogen. Eine einfache und wirksame Maßnahme, die jeder durchführen kann. Dieser 5A Lader wird jetzt von mir einfach durch ein 10A Gerät ausgetauscht. Danke nochmal für den Tipp damals. Die kritische Versorgung der Trinkwasserpump e habe ich schon lange mit einer Direktverbindun g vom Akku her und Relais gelöst. Das läuft seitdem einfach ohne Probleme und benötigt seitdem keine Beachtung mehr. Das Panel im Hobby möchte ich einfach aus Piätätsgründen optisch so lassen wie es ist. Aber den Batteriecompute r kann man ja auch irgendwo an der Sitzconsole anbringen. Danke für diesen Beitrag.
+1 #2 RE: TIP | Batteriecompute r und Modifikation der Aufbauelektrikderbaer21 2014-09-11 20:41
Moin Wilfried,
wieder eine super Arbeit und eine sehr gute Beschreibung. Danke.
Viele Grüße Dirk
+1 #1 Super AnleitungMarius 2014-09-09 09:32
Moin Wilfried,

eine super Anleitung mit allen wichtigen Details. Auch die Schaltpläne sind super (vor allem kann man sie leicht lesen gegenüber den originalen ;-) )
Wenn ich mit meinen anderen Arbeiten soweit fertig bin, werde ich mich auch mal der Elektrik in Ruhe widmen (obwohl bei mir eigentlich alles funktioniert) aber die ein oder andere Modifikation ist ja doch sehr sinnvoll. Und dann bin ich froh, diese super Anleitung von dir zu haben :roll:

Viele Grüße, Marius

Kommentar schreiben

Schreibt uns Eure Meinung zu diesem Beitrag!


Moin Moin...

...auf meiner Webseite!

95 59c8b9a2d1582Hobby600.de ist ein privates Portal für Freunde des Wohnmobil- Klassikers aus Fockbek. Gemeinsam mit vielen anderen Hobby 600-Fahrern und der Unterstützung des Hobby-Wohnwagenwerk habe ich hier viele Informationen und Erfahrungen über das Fahrzeug zusammengetragen und öffentlich zugänglich gemacht.

Weiterlesen... Weiterlesen...

Du bist nicht eingeloggt

Termine

SELBSTAUSBAUERTREFFEN 201...
von 20.10.17 bis 22.10.17
Events / allgemeine Treffen | 1 / ∞
Südseecamp

CMT -Stuttgart
von 13.01.18 bis 21.01.18
Messen / Ausstellungen | - / ∞
Neue Messe Stuttgart

Reise + Camping Essen
von 21.02.18 bis 25.02.18
Messen / Ausstellungen | - / ∞
Messegelände Essen

Caravan Salon Düsseldorf ...
von 24.08.18 bis 02.09.18
Messen / Ausstellungen | - / ∞
Messe Düsseldorf

Unterstütze Hobby600.de

Die Erstellung und der Unterhalt dieser Webseite kosten nicht nur viel Zeit, sondern mittlerweile auch einiges an Geld. Daher würde ich mich über eine kleine finanzielle Unterstützung, die dem Erhalt dieser Seite dient, sehr freuen.

Unterstützung:  EUR

Hobby -- Wohnmobile & Wohnwagen

Die Galerie der Fahrzeuge

Technik aus dem Fotokatalog

Bilder aus dem Innenraum

Zum Seitenanfang