Mit dem Hoby 600 auf großer Tour

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Toscolano Maderno, 20. / 21. Juni 2014 | Viel zu berichten gibt es über diese beiden Tage nicht. Mal eine kleine Radtour entlang der Strandpromenade zum Hafen von Maderno, ab und zu ein erfrischendes Bad im See und immer wieder schöne Gespräche mit unseren und deren Freunden die der eigentliche Beweggrund sind auf diesem Platz zu stehen. Diese Familie hatte dort einen Bungalow gemietet.

Für größeres Bild bitte klicken!Und sonst gibt es – von der Lage direkt am Ufer des Gardasees mit seinem inzwischen glasklaren Wasser, das war nicht immer so - keinen Grund den Camping Toscolano zu besuchen. Zwar verfügt der Platz über ausreichend große Stellplätze, aber schon alleine die Ein – und Zufahrt zu diesen ist unter aller Kritik. Eng, dass selbst an unserem eher schmalen Hobby 600 die Spiegel links und rechts an den Hecken scheuern, untergraben von veritablen Baumwurzeln die einen ständig daran erinnern, dass man den halben Hausstand an Tassen, Tellern und Gläsern mitführt. Wozu dann noch alle naselang Geschwindigkeits – Reduktionshügel von annähernd 30 cm Höhe eingebaut wurden, dass weiß der Himmel.

Die nächste Überraschung tut sich auf, wenn man den verdienten und notwendigen Kaffee aufbrühen möchte. Wasserkocher, speziell zum campen gekauft, mit bescheidenen 750 Watt? Nicht mal daran denken. Zack – und der gesamte Strom ist weg. Des Rätsels Lösung: Absicherung der Stromzufuhr: 3 in Worten DREI Ampere. Prima. Ziemlich sparig!

Noch etwas spariger fällt der Einsatz der Reinigungskräfte in den Sanitäreinrichtungen aus. Sauberkeit darf man hier nicht erwarten. Eigentlich auch keine Sanitäreinrichtungen heutigen Standards. Die Regel bei den Toiletten sind – wie früher in Italien gewohnt – immer noch die mir verhassten Stehtoiletten. Wenn man in die Jahre kommt und sich noch eine Arthrose im Knie zulegt – wie soll das gehen. Na ja, man hat ja eines dabei…. Das führt jedoch zum nächsten Problem: Die Toilettenentsorgung liegt einen guten Fußmarsch entfernt. Auch nicht gerade komfortabel. Dagegen kann man bei den Duschen echt Glück haben. Es ist durchaus möglich, eine Kabine zu erwischen in der das Wasser abläuft, manche haben sogar einen Duschkopf und wenn einem Fortuna hold ist, dann kommt ausgerechnet aus dieser Dusche auch noch warmes Wasser. Ist aber nicht die Regel. Die Kleider trocken aus der Kabine zu bekommen ist bei Größe und Architektur derselben eher unmöglich – besonders wenn dann – wie oft angetroffen – nicht einmal Kleiderhaken, Ablagen oder zumindest ein Hocker oder Bänkchen – von kleinen Trennwänden ganz zu schweigen – vorhanden sind.

Das alles könnte man ja akzeptieren, nach dem Motto: „Camping ist die Kunst, die Verwahrlosung zum Lifestyle zu erheben“. Könnte man. Aber nicht zu einem Tagespreis von 32 € plus Kurtaxe für ein Mobil und 2 Personen in der Vorsaison. Das übersteigt die Grenzen der tolerierbaren Dreistigkeit bei Weitem. Ganz sicher unser letzter Besuch auf diesem Platz.

Toscolano Maderno, Anghiari 22. Juni 2014 | Dass uns der Abschied vom Camping Toscolano leicht fiel, verwundert wohl nicht. Dass er uns allerdings noch durch eine fehlende platzeigene Entsorgung und Frischwasserversorgung „versüßt“ wurde, setzt der Sache die Krone auf. Nix wie weg und alle gewarnt. Wer nicht gerade wild ist auf Ärger sollte diesen Platz großräumig umfahren.

Doch nun genug davon, den Blick nach vorne gewendet und unser eigentliches Ziel, die Toscana und „das grüne Herz Italiens“, also Umbrien nebst den Marken und den Abruzzen angesteuert.

Als vorsichtiger, vorausschauender Mensch hatte ich schon mal auf einem Agritourismo zwei Plätze für uns reserviert. Eigentlich nur, da er in der Nähe von Castiglion Fibocci liegt, wo die Fattoria La Vialla ihre Heimat hat. Wir sind seit langen Jahren Stammkunden dieses biologisch – dynamisch geführten Gutes, welches uns stets mit außergewöhnlich guten Produkten wie Nudeln, Olivenöl und Weinen aus eigener Produktion beliefert.

Für größeres Bild bitte klicken!Also kamen wir gegen 17.3o nach schweißtreibender Fahrt durch die stinklangweilige Poebene - da muss man halt durch – und über die erbarmungswürdig schlechte, dafür kostenfreie Staatsautobahn „Tiberiana“ auf dem Agritourismo Val della Pieve an.

Vom Tal bei Sansepolcro führt eine schnurgerade Straße nach Anghiari. Im Ort geht es dann um ein paar Ecken, abenteuerliche Steigungen und enge Spitzkehren hoch zum alten Dorfkern – so steil dass unser betagter Ducato auf dem von der Hitze aufgeweichten Asphalt das eine und andere Traktionsproblem hatte – und plötzlich schaut man in das Pieve – Tal.

Direkt oben auf dem Kamm liegt der Stellplatz mit traumhaftem Blick auf das Tal und die gegenüber liegenden Berge. Das erste, was uns bei der Anfahrt auffiel, war, wie gepflegt das Gelände wirkt. Ein schmuckes Haus mit Terrasse zur Straße, Sonnenschirme, Tische und Bänke. Daneben leuchtet, blau und einladend, ein gepflegter Pool. Gleich links davon die Entsorgung mit Bodeneinlauf und Ausguss für die Chemietoilette. Und – wie es sich eigentlich gehört – ein Schlauch zur Versorgung mit Frischwasser. Soweit alles perfekt.

Der Sohn des Hauses kommt also auf uns zu, begrüßt uns freundlich in einem multi – kulti – Gemisch aus Italienisch, Deutsch und Englisch. Nachdem ich ihn auf unsere Reservierung (das erste Mal in meinem nun auch nicht gerade kurzen Camperleben, dass ich einen Platz im Voraus reserviert habe) und die von ihm erhaltene Bestätigung anspreche, hätte ein sensibler Mensch vielleicht eine kleine Unsicherheit, ein Zucken der Augenlieder, eine kaum merkliche Veränderung der Körpersprache entdecken können. Ich brachte diese Sensibilität nicht auf, sondern gab mich mit der Auskunft zufrieden, dass unsere Plätze im Moment noch nicht frei wären. Inzwischen waren Elke und Stefan mit ihren zwei Hunden Sammy und Akino auch eingetroffen und ich teilte ihnen – mit meinem unerschütterlichen Optimismus – mit, dass wir erst mal die am Gardasee versäumten Ver- und Entsorgungstätigkeiten erledigen sollten, dann würden unsere Plätze wohl zu Verfügung stehen.

Nun, die Zeit verrann, die Sonne suchte sich ihren Weg in Richtung der Hügel jenseits des Tales – und auf den Stellplätzen rührte sich nichts. Unsere Wirtsleute versorgten uns mit köstlichem, frischem Fettgebackenem, rieten uns, doch die Zeit für ein Bad im Pool zu nutzen – die Zeit verrann weiterhin, was sollte sie sonst auch tun, die Sonne berührte schon die Gipfel jener Berge jenseits des Tales und auf den Stellplätzen rührte sich – nichts. Irgendwann tauchte dann die Dame des Hauses – eine sehr nette, freundliche Frau –mit einer Flasche Vino della Casa und vier Gläsern auf und meinte, na ja, so gegen bis acht Uhr würden wohl 5 Mobile vom Platz fahren und wir könnten uns dann einrichten.

Nun haben wir ja Urlaub, keinen Stress und keine Termine. Außerdem sind wir – wie stets – tolerante Menschen und auf friedliche Lösungen bedacht. Also parkten wir unsere Mobile, vor allem wegen der Hunde, in den Schatten, setzten uns auf die untere Terrasse und begannen dort unser Abendmahl ein zu nehmen. Eine weitere Flasche des ganz passablen Hausweines half uns beim Verzehr der sonst doch etwas trockenen Mahlzeit. Wir hatten eigentlich kochen wollen…

Gekocht jedoch hatten ganz andere. Drei der fünf Besatzungen der Mobile, die eigentlich schon längst vom Platz hätten verschwunden sein sollen, saßen hinter einem quergestellten Carthago der 120 000 € - Klasse, der die Zufahrt zu unseren beiden inzwischen leeren Stellplätzen blockierte. Erst freundliche, dann schon eher ultimative Aufforderungen, die Durchfahrt frei zu machen wurden mit dem Hinweis beantwortet, sie hätten schließlich bezahlt und wenn es bei uns zu Hause üblich sei, Stellplätze bis 13:00 Uhr zu räumen, so ginge ihnen das an einem rückwärtigen Körperteil vorbei.

Nachdem ich Signora auf die bestätigte Reservation angesprochen hatte, trollte sie sich in ihr Büro, um danach ziemlich verlegen wieder zu kommen. Sie habe unsere Reservierung mitsamt der Bestätigung die sie geschrieben hätte, in der e-mail gefunden, müsse allerdings gestehen, dass sie vergessen habe, eben diese Reservierung auch einzutragen. Es sei also ihre Schuld und wir möchten doch, bitte, nicht böse sein und noch ein wenig warten, bis die „Herrschaften“ gegessen hätten. Sie würden dann unverzüglich den Platz räumen und wir bräuchten für diese Nacht auch nicht zu bezahlen.

Wie schon erwähnt sind wir tolerante, friedliebende Camper. Und als solche nahmen wir denn achselzuckend das Angebot der Padrona an. Passieren kann so was ja mal. Sollte nicht, aber wer ist schon vor Missgeschicken gefeit. Was uns allerdings nachhaltig geärgert hat, war das Verhalten unserer Camper“kollegen“. So wenig Gemeinsinn, so viel Rücksichtslosigkeit auf einem so gottgesegneten Stück Erde, das ist schon heftig. Das Ende vom Lied war nun eben, dass wir nach 21:00 Uhr in der toskanischen Dämmerung unsere Plätze bezogen, was dann allerdings unsere Stimmung letztendlich nicht trüben konnte. Der anschließende fröhliche Abend zog sich eben etwas länger hin, unsere Stellplatznachbarn – von denen sich keiner beklagte – mögen uns verzeihen.

Kommentare  

#8 RE: Italienreise 2014 - Unser ReisetagebuchLord of Loona 2015-01-12 21:55
Fast ein bisschen wie bei Hemmingway. Der auch nie vergisst die Kleinigkeiten zu beschreiben. Gelernt habe ich, geht es nach Italien - ist Alto Adige immer noch die erste Wahl! Passeiertal! Wir kommen!
#7 RE: Italienreise 2014 - Unser ReisetagebuchEddie 2014-11-16 12:53
Danke für die Blumen, Manfred und Maxe. Aber, es ist eigentlich ganz einfach: Was man gern macht, wird halt auch was.
Das mit dem Hörbuch, Detlef, kann man sich ja malüberlegen, jedoch, ein "olfaktorisches " Schmeckbuch wär bei den mediterranen Köstlichkeiten noch besser. Erfind doch mal eines, Du Tüftler ;-)
+1 #6 RE: Italienreise 2014Manfred D. 2014-11-13 18:06
Hallo Eddie und Ruth,

einfach nur toll Dei/Euer Bericht!! :roll:

Tipp: Wenn´s mal mit der Schauspielerei nicht mehr klappt, einfach zur Feder greifen und Schriftsteller werden. :P

Danke und Gruß

Inge und Manfred
+2 #5 einfach nur wow - doppelwowmaxe 2014-11-13 17:43
Wow, was für ein Reisebericht,
nicht nur dass ich eine unbändige Lust verspüre sofort in den Hobby zu springen und "nachzufahren", ich hab auch jetzt Hunger und beantrage diesen Reisebericht auf Hörbuch zu veröffentlichen - Danke
Gruß Detlef
#4 RE: Italienreise 2014 - Unser ReisetagebuchEddie 2014-11-09 19:39
Immer wieder gerne, Irma und Dirk. Grüße Ruth & Eddie.
+2 #3 RE: Italienreise 2014 - Unser Reisetagebuchderbaer21 2014-11-09 17:51
Moin Ruth und Eddie,
danke für diesen tollen Reisebericht.
Viele Grüße Irma und Dirk
#2 RE: Italienreise 2014 - Unser ReisetagebuchEddie 2014-11-09 17:47
Jeder für sich oder gemeinsam?
Ne, ehrlich, Die mediterrane Küche hat keine Spuren hinterlasse..
+2 #1 Appetit bekommenLollo_C 2014-11-09 14:23
Hallo Eddie, Hallo Ruth,
vielen Dank, dass wir an Eurem Urlaub teilhaben durften. Ganz Ehrlich: Bei soviel kulinarischen Beschreibungen habe ich jetzt reichlich Appetit bekommen.
Das Ihr Euch erholt habt ist sicher. Aber wie viel habt Ihr zugenommen? :lol:

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