Mit dem Hoby 600 auf großer Tour

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Anghiari / Gubbio, 25. Juni 2014 | Unser erstes Ziel in der Region Umbrien soll Gubbio sein, eine schöne, gut erhaltene mittelalterliche Stadt. Ruth und ich waren schon mehrmals dort und haben es jedes Mal genossen, durch die engen Gässchen zu gehen, irgendwo in einem kleinen, gemütlichen Straßencafé einen Espresso oder Cappuccino zu trinken, den Touristen und Einheimischen beim Bummeln zuzusehen oder mit der Seilbahn zur Wallfahrtskirche hochzufahren und dabei an die Teilnehmer des alljährlichen Wettlaufes zu denken, die mit riesigen hölzernen Nachbildungen von Opferkerzen den steilen Berg hoch hasten um den Sieg für ihr Stadtviertel zu erringen. Tauschen wollten wir mit ihnen auf gar keinen Fall. Viel zu anstrengend.

Nachdem der Camper Club Gubbio in Zusammenarbeit mit der Stadt einen sehr schönen, großen Stellplatz mit Strom, sowie Ver- und Entsorgung nahe der Stadt angelegt hatte – 1 Nacht für 4 € und 2 Stunden Strom für 1 € - ersparten wir uns den doch ziemlich weit außerhalb der Stadt gelegenen Campingplatz. Kaum angekommen und die Camper abgestellt machten wir uns also auf den Weg ins „Mittelalter“, zu Fuß mit den beiden Hunden, die ja auch ihren Auslauf brauch

Für größeres Bild bitte klicken!Vorbei an den Resten eines Amphitheaters, ein Stück der Stadtmauer entlang – und schon sind wir mitten im Zentrum. Einer der „Nachteile“ Gubbios ist, dass es – wie viele andere umbrische Dörfer und Städte auch – auf einem Hügel erbaut wurde. Doch die Stadtväter hatten wohl ein Herz – oder genügend EU – Subventionen – und ließen deshalb mehrere öffentliche Aufzüge installieren mit denen man bequem und schnell verschiedene Höhenlagen der Stadt erreichen kann. Also fuhren wir hoch zur Piazza Grande. Bei drückender, schwüler Hitze wurde selbst das gehen auf der Ebene zur schweißtreibenden Qual, was den Flüssigkeitshaushalt unserer Körper doch ziemlich in Mitleidenschaft zog. Auch war es bereits höchste Zeit für den allfälligen Mittagscafé. Schnell eine kleine Bar angesteuert, Espresso, Wasser und noch ein Eis vertilgt. Stefan und Elke wollten noch mal kurz auf die Piazza und die umliegenden Sehenswürdigkeiten ansehen, Ruth und ich blieben lieber noch ein wenig sitzen. Kaum jedoch hatten sich unsere Freunde verdrückt, verfinsterte sich schlagartig der Himmel und es brach etwas los, was der Apokalypse schon recht nahe kam. Das Unwetter, welches da niederging nur ganz profan als Gewitter zu bezeichnen, würde der Sache nicht gerecht! Die Himmelsschleusen öffneten sich und ein unglaublicher Schwall von Regen prasselte herab, so dass die steilen Straßen innerhalb von Sekunden zu reißenden Bächen wurden. Es blitzte und donnerte, dass es nur so eine Art hatte. Und da Petrus damit noch immer nicht sein ganzes Potential ausgeschöpft hatte, ließ er dem ganzen Segen auch noch einen kräftigen Hagel folgen. Wir hatten uns schutzsuchend ins Innere der Cafés geflüchtet, der Hagel jedoch verfolgte uns bis etwa 10 Meter in die Räume hinein.

Kein Grund zum Jammern, dachten wir und waren in Gedanken bei unseren Freunden nebst deren Hunden, wir sitzen ja im trockenen. Also schnell per Handy – welche in Italien telefonino heißen – angerufen und nachgefragt. Sie hätten sich irgendwo untergestellt, würden jedoch sowie es etwas nachgelassen hätte wieder zu uns stoßen. Was sie dann auch taten, aber nur bis zur Tür kamen, da der bisher sehr nette und freundliche Barista ihnen den Zutritt mit den Hunden verwehrte. Schon etwas merkwürdig, angesichts der nicht unbedingt normalen Wetterlage.

Ob er uns denn ein Taxi rufen könnte, welches uns zum Stellplatz zurückbrächte, fragten wir ihn. Nun, den Versuch machte er, von Erfolg war allerdings keine Rede. Also beschlossen wir – der Regen hatte wieder mitteleuropäische Normalstärke angenommen – uns im benachbarten Andenkenladen mit Regenschützern aus Plastikfolie zu versehen und eben zu Fuß zu unseren Mobilen zurück zu gehen – deren Dachluken wir angesichts der vorher vorherrschenden Hitze natürlich offen gelassen hatten.

Stefan und Elke – beide entschieden besser zu Fuß als wir zwei – marschierten also stramm los, nicht ohne unsere WoMo – Schlüssel mitgenommen zu haben, um schon mal die Luken dicht zu machen. Wir beide kaperten uns unterwegs einen der kleinen blauen Busse, welche in Gubbio den Linienverkehr besorgen und fuhren mit diesem zum Stellplatz. Um an der Haltestelle vor eben diesem fest zu stellen, dass der Shuttleverkehr zwischen Stellplatz und Stadtmitte eigentlich gratis wäre. Wenn man es denn gewusst hätte.

Folge der Exkursion und der geöffneten Dachluken war natürlich, dass wir – nun wieder bei hellem Sonnenschein – unsere Camper innen einer gründlichen Reinigung unterziehen mussten – extra Wasser war dazu nicht nötig. Glücklicherweise haben sich beide Besatzungen angewöhnt, die Klappen über den Betten bei Abwesenheit immer zu schließen. Aber auch von außen glänzten unsere Mobile in strahlender Sauberkeit, die umbrische Sintflut hatte allen Reisestaub völlig abgewaschen.

Nachdem wir die Stadt nun eher fluchtartig verlassen hatten, mussten wir feststellen, dass wir für das Frühstück am nächsten Tag keinerlei Brot oder Ähnliches gebunkert hatten. Dumm gelaufen. Aber – ich hatte doch bei der Anfahrt direkt neben dem Stellplatz das „Sporting Hotel“ gesehen. Also schnell die wenigen Meter dorthin gegangen und an der Rezeption nachgefragt, wie es dann am kommenden Morgen mit Panini oder so aussehen würde. Die freundliche Dame telefonierte kurz mit der Küche und gab mir strahlend die Auskunft, dass das überhaupt kein Problem wäre. Frühstück gerettet!

Mit einem Mehlsack – tatsächlich, denn eine andere Verpackung war im Hotel nicht greifbar – voll mit Brötchen und Cornetti, der italienischen Croissant – Variante die mir ehrlich gesagt noch besser schmeckt – füllten wir erstens unsere Frühstückstische und zweitens unsere Mägen. Den Strom getrennt und nach einem kleinen Abstecher zum nächsten Supermarkt (€urospin, sehr zu empfehlen) machten wir uns auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel, dem Lago Trasimeno.

Für größeres Bild bitte klicken!Wir haben zwei Campingplätze auf unserer Liste – und landen nach kurzer Inspektion auf dem „La Spiagga“ in Passignano. Ein kleiner, aber sehr feiner Campingplatz mit einem sehr gepflegten Pool direkt am See. Stefan und Elke sind bereits angekommen und haben einen Platz direkt neben dem Schwimmbad okkupiert. Natürlich stellen wir uns direkt daneben. Die Sonne brennt vom Himmel, alle Schrecken, die uns Gubbio vermasselt haben sind vergessen, die Wohnmobile sind geparkt, austariert, der Strom angeschlossen, die Markise ausgefahren und die „Balkonmöbel“ aufgestellt. Zeit für ein kühles Ankomm-Bier.

Ansonsten haben wir uns vorgenommen, die beiden Tage auf diesem entspannten Urlaubsplatz einfach mal an uns vorbeigehen zu lassen und uns „vom Urlaub zu erholen“. Das gelingt hier auch bestens – wenn man mal von der durch eine Fete im benachbarten Yachtklub verursachten Lärm bis in die frühen Morgenstunden absieht. Aber was soll´s, wir haben ja Ferien und können am Morgen länger schlafen.

Ein Segen auf dem Platz ist ganz gewiss der herrliche Pool, den wir auch intensiv nutzen, auch wenn der Bademeister wie ein Zerberus darüber wacht, dass jeder, aber auch wirklich jeder seine Bademütze trägt.

Selbst ich mit meinem 2 mm Schnitt. Dafür ist die gesamte Anlage aber auch klinisch sauber. Genauso wie der gesamte Platz sehr gepflegt ist, ausgestattet mit vorbildlichen Sanitäreinrichtungen, einer kleinen Bar und einem recht ordentlich sortierten Laden. Das Personal ist durchweg freundlich und aufmerksam und eine angenehme Überraschung bei der Abreise ist der – mit ACSI bzw. ADAC Camping Key – sehr moderate Preis von 16 € pro Nacht. Ein Campingplatz für die Hitliste.

Kommentare  

#8 RE: Italienreise 2014 - Unser ReisetagebuchLord of Loona 2015-01-12 21:55
Fast ein bisschen wie bei Hemmingway. Der auch nie vergisst die Kleinigkeiten zu beschreiben. Gelernt habe ich, geht es nach Italien - ist Alto Adige immer noch die erste Wahl! Passeiertal! Wir kommen!
#7 RE: Italienreise 2014 - Unser ReisetagebuchEddie 2014-11-16 12:53
Danke für die Blumen, Manfred und Maxe. Aber, es ist eigentlich ganz einfach: Was man gern macht, wird halt auch was.
Das mit dem Hörbuch, Detlef, kann man sich ja malüberlegen, jedoch, ein "olfaktorisches " Schmeckbuch wär bei den mediterranen Köstlichkeiten noch besser. Erfind doch mal eines, Du Tüftler ;-)
+1 #6 RE: Italienreise 2014Manfred D. 2014-11-13 18:06
Hallo Eddie und Ruth,

einfach nur toll Dei/Euer Bericht!! :roll:

Tipp: Wenn´s mal mit der Schauspielerei nicht mehr klappt, einfach zur Feder greifen und Schriftsteller werden. :P

Danke und Gruß

Inge und Manfred
+2 #5 einfach nur wow - doppelwowmaxe 2014-11-13 17:43
Wow, was für ein Reisebericht,
nicht nur dass ich eine unbändige Lust verspüre sofort in den Hobby zu springen und "nachzufahren", ich hab auch jetzt Hunger und beantrage diesen Reisebericht auf Hörbuch zu veröffentlichen - Danke
Gruß Detlef
#4 RE: Italienreise 2014 - Unser ReisetagebuchEddie 2014-11-09 19:39
Immer wieder gerne, Irma und Dirk. Grüße Ruth & Eddie.
+2 #3 RE: Italienreise 2014 - Unser Reisetagebuchderbaer21 2014-11-09 17:51
Moin Ruth und Eddie,
danke für diesen tollen Reisebericht.
Viele Grüße Irma und Dirk
#2 RE: Italienreise 2014 - Unser ReisetagebuchEddie 2014-11-09 17:47
Jeder für sich oder gemeinsam?
Ne, ehrlich, Die mediterrane Küche hat keine Spuren hinterlasse..
+2 #1 Appetit bekommenLollo_C 2014-11-09 14:23
Hallo Eddie, Hallo Ruth,
vielen Dank, dass wir an Eurem Urlaub teilhaben durften. Ganz Ehrlich: Bei soviel kulinarischen Beschreibungen habe ich jetzt reichlich Appetit bekommen.
Das Ihr Euch erholt habt ist sicher. Aber wie viel habt Ihr zugenommen? :lol:

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