Wenn sich Freunde mit ihren Hobbys treffen

panorama.jpg Vor drei Monaten und drei Wochen schrieb Volkmar (blaeschen54) ins Forum: "Hallo Hobby 600-Gemeinde, nun möchte ich mal "Ernst" machen. Wir wollen ein Hobby 600-Treffen vom 30.04.09 - 03.05.09 in der Dübener Heide organisieren."

Im Folgenden haben wir dann viel über das Programm und die Teilnahme diskutiert. Je näher der Termin anrückte, desto mehr Fahrzeuge wurden angemeldet. Zuletzt standen 27 Hobby 600 Besatzungen auf der Liste. (Einige sollten ihr Fahrzeug aber nicht rechtzeitig fertig bekommen und reisten mit dem PKW zum Treffen.)

b_02_01_volkmar004_800.jpg Endlich war es soweit! Volkmar hatte die große Rasenfläche gemäht, das schöne, alte Fachwerkhaus am Rande des Platzes, in dem schon Napoleon übernachtete, war ausgeräumt und hergerichtet, nun brauchten nur noch alle zu kommen. Die Ersten, die am Donnerstag, dem 30. April auf den Platz fuhren, waren Petra und Detlef (pet44) aus Quedlinburg.  Mit jedem Fahrzeug, das eintraf, wurde es für die schon Angekommenen spannender. "Da! Da kommt wieder einer!", rief man.

b_03_015_800.jpg Als ich in der Dämmerung ankam, fuhr ich die Forststraße weiter hoch, durch Löcher, die Krater ähnelten. Oben am Forsthaus angelangt, sah ich, wie ein Mann hinter mir hergelaufen kam. Es war Jörg (yakdive), der kurz vorm Zusammenbruch war. Dachte er doch die ganze Zeit, ich würde ihn mal endlich im Rückspiegel bemerken, damit er mir sagen kann, dass ich zu weit gefahren bin. Jedoch hatte ich so mit den Löchern in der Straße zu tun, dass ich für nix mehr Augen hatte.

Das nette Försterpaar wies uns den rechten Weg, und wir gelangten gemeinsam zum Platz. Allgemeine Begrüßung, und Volkmar (blaeschen54) machte ein Foto, wofür ich mich vor meinen Hobby stellen musste.

b_01_manni_009_800.jpg Bis ich mich so eingerichtet  und mir ein Schnittchen gemacht hatte, ging es dann auch alsbald in das schöne, alte Fachwerkhaus, wo Volkmar vergeblich versuchte, den großen Kachelofen einzuheizen. Jedoch der weiße Qualm wollte nicht oben aus dem Schornstein entweichen, nein, er wollte bei uns im Gastraum bleiben. Bevor wir dann alle wie geräucherte Würstchen rochen, nahmen wir uns jeder einen Stuhl und setzten uns draußen um den runden Steintisch, der am Haus stand. Im Schutz der hohen Bäume ringsum war es windstill und angenehm. So mancher brachte das eine oder andere Windlicht oder Kerzchen mit und stellte es auf den Tisch. Es war eine angeregte Unterhaltung, man erzählte von sich, von wo man kam und was man so macht, wenn man nicht gerade mit seinem Hobby 600 ins Wochenende fährt.

Nur blaeschen54 nicht, Volkmar hatte an dem Abend einen Hals. Das heißt, er hatte keine Stimme mehr in demselben. Da half ihm auch nicht der leckere Kräutertrunk, den er zur Begrüßung ausgegeben hatte. Und die köstliche Maibowle. - Da nun keiner mehr in der Nacht angesagt war, fuhr Volkmar dann heim, um seine Stimmbänder bis zum nächsten Tag zu schonen.

b_04_fritz_sdc10072_800.jpg Ich lag am Freitag noch im Bett, da hörte ich gegen halb acht morgens das vertraute Getucker eines Dieselmotors. Der Fahrer schloss leise zu meinem Wohnmobil auf und machte den Motor aus. Später begrüßten wir dann das achte Womo: Jutta und Bruno (bdehn) aus Heidelberg. Die beiden hatten bereits den Sonnenschein mitgebracht. Es sollte ein tolles Wetter werden an diesem Tag.

Volkmar hatte schon den "Zimmerservice" gemacht und an alle Außenspiegel frische Brötchen gehängt. Einige saßen schon beim Tässchen Kaffee vor ihren Mobilen.

Bis zum frühen Nachmittag kamen dann so nach und nach alle anderen eingetrudelt. Volkmar rannte mit seiner Leiter oder stellte sich auf ein Dach und fotografierte und knipste, was das Zeug hielt. Und jeden platzierte er vors Wohnmobil. Keine Bewegung mehr, ein Lächeln und abgedrückt. Wie ein Profi hat er das gemacht, und jeder gehorchte brav! Nun gibt es von jedem Teilnehmer sogar eine hübsche Aufnahme, die man als Avatar ins Profil des Forums aufnehmen kann. Sogar ein Ehepaar aus Leipzig, das auch einen Hobby 600 fährt und von dem Treffen gelesen hatte, kam. Erst kamen sie mit dem PKW gucken, und dann holten sie den 600er und stellten sich dazu.{mospagebreak}

b_06_07_img_6173_800.jpg Als der Platz gut gefüllt war, stellte ich mein kleines Tischchen in die Mitte und Wolfgang (Die Berner) piekste seinen Sonnenschirm in die Erde. Zur Begrüßung gab es Sekt mit Blutorange oder Pfirsichsaft. Da wir Erstankömmlinge schon nach dem Frühstück diesem Cocktail zugesprochen hatten, war ich froh, dass einige noch ein Zusatzfläschchen auf den Tisch stellten, welches sie vorher eingekühlt hatten. Und so standen wir dann alle mit unserem Sektcocktail in der Hand mitten auf der großen Wiese, umkränzt von unseren Hobby 600, die alle irgendwie gleich aussahen. Es war schon ein beeindruckendes Bild!

b_07_13_volkmar147_800.jpg Bis sich alle bekannt gemacht  und hier und da in ein anderes Mobil geschaut hatten, war es schon Abend geworden. Volkmar hatte eine große Goulaschkanone vom damaligen Komiß, in der typischen Tarnfarbe, auf den Platz gefahren. Aus seinem Schornstein rauchte es gemütlich. Wir b_08_17_img_6201_800.jpgformierten unsere Tische und Stühle im Kreis um die Essensausgabe und Volkmars Neffe füllte jedem leckere Erbsensuppe mit Würschtel auf. So saßen wir dann in der Abendsonne, man setzte sich mal hierhin und dorthin, wie bei einer großen Familienfeier, und schwätzte miteinander.

b_09_29_img_6241_39_40_hdr_800.jpg Als Highlight für alle ließ Waldemar aus Bottrop dann seinen toll hergerichteten Hobby 600 in schönster Festbeleuchtung erstrahlen.  Ein allgemein bewunderndes "Aahh" und "Oohh" war zu hören. Ja, so was hatte die Welt noch nicht gesehen! Das Fahrzeug erstrahlte in den neuesten LED-Lampen, es war einfach einmalig. Dabei wurde natürlich der glänzende Lack hervorgehoben, das Fahrzeug wirkte einfach unbezahlbar und luxuriös. Auch innen war in dem Mobil einfach alles perfekt und fachgerecht ausgeführt, ein ganz heißer Kandidat für die Wahl zum schönsten Fahrzeug des Treffen.{mospagebreak}

b_10_bild_01_002_800.jpg Am nächsten Morgen, Samstag, kamen gegen halb zehn Uhr zwei Kutschen mit jeweils zwei Haflingern vorgefahren. Während ich noch bei allen den "Brückenzoll" für das bevorstehende Abendprogramm kassierte, stiegen schon die ersten Hobbyaner in die Kutschen.  Die Kremserfahrt stand bevor. Bei schönstem Wetter durch die blühende Dübener Heide. - Bis ich dann endlich ein frisches Blüschen angezogen und meinen Hund hinterm Gartentörchen gesichert hatte, waren bereits die Kutschen unterwegs. Also, es ist ein Kreuz mit mir! Sogar zu meiner Hochzeit kam ich damals zu spät! War mal irgendwann verheiratet...

b_11_bild_07_img_6310_800.jpg Nun ergab es sich aber, dass Volkmars Frau Melanie eine Stunde später mit dem PKW zum Zielpunkt Schloss Reinharz nach Bad Schmiedeberg fuhr. Dieses zusätzliche Zuspätkommen in meinem Leben sollte sich jedoch zu einem Glücksfall wenden!

b_12_neue-sloss-bruke.jpgDie beiden Kutschen waren noch nicht angekommen. Und so nutzen wir die Zeit und spazierten durch den schönen Schlosspark, in welchem Melanie noch vor einigen Jahren als Gärtnerin tätig war. Melanie zeigte mir einen seltenen Mammutbaum, einen Tulpenbaum, der noch nicht erblüht war und einen breiten Kastanienbusch, also keinen Kastanienbaum, sondern eine andere Wuchsart, die die größte ihrer Art in Europa sein soll. "Und nun zeige ich dir etwas, das ich 1998 durch Zufall in der Mittagspause entdeckte!", sagte Melanie. Nach einigen Minuten kamen wir an ein schattiges Plätzchen, das fast mystisch wirkte. Dort befand sich die Ausgrabung einer alten Quelle. Als wir uns auf das Mauerchen setzten, bekam ich vor Ergriffenheit direkt eine Gänsehaut. Auf einer Marmortafel stand in gotischer Schrift "Sophienquelle 1847“. Vor 11 Jahren hatte Melanie auch da gesessen, wo sie jetzt saß, hatte mit dem Schuh auf der Erde gerieben und einen ungewöhnlich geschliffenen Stein darunter entdeckt, der sich zu einer glatten Fläche ausbreitete. Nachdem sie ihren Chef davon in Kenntnis gesetzt hatte, wurde gegraben. Und so entdeckte man dieses über 200 Jahre alte Kleinod in der Erde. 

b_13_sophienquelle.jpg Weiter Richtung Schlosssee, kamen wir an einem Grab vorbei. Dort mochte wohl jemand seinen großen Hund begraben haben. Ein dicker Findling ruhte auf dem Grab, drum herum dicke Kieselsteine. Melanie erzählte mir, dass weiter hinten sogar das Grab eines Pferdes sei. Dann erfuhr ich auch, dass einmal im Jahr das Wasser des Sees abgelassen wird, um auf diese Weise zu fischen. Die Fische werden einfach entnommen, wenn nur noch Schlamm da ist.

Was Melanie mir noch alles erzählte, wäre hier ein Prospekttext für den Platz von Schloss Reinharz, deshalb will ich das gar nicht so ausführlich erzählen. Jedenfalls bin ich meiner Schusseligkeit und Melanie dankbar, dass ich mit ihr mitfahren konnte. Als wir wieder am Schloss angelangt waren, verließ gerade eine Hochzeitsgesellschaft den Platz und unsere Hobbyaner kamen - wie eine Schulklasse - auf den Schlossplatz geströmt.

b_14_img_6373_800.jpg Die Führung durch das Schloss erlebten wir mit einer kundigen Schlossführerin, der man gar nicht so eine kräftige Stimme zugetraut hätte. Dies wurde auch anfangs mit hörbarem Staunen bemerkt. Fast schwärmerisch erzählte sie von August dem Starken, der wohl zu seiner Zeit der größte Playboy gewesen sein musste. Über ihn hat sie auch alle Bücher gelesen, wie sie mir am Schluss sagte.

b_15_img_6392_800.jpg Nach der Schlossführung wurde wieder für unser leibliches Wohl gesorgt. Volkmar stand hinten auf der Goulaschkanone und füllte jedem eine Schale Spirelli-Nudeln mit leckerem, mundgerecht geschnittenem Goulasch auf. Wenn ich jetzt noch an die dunkle, kräftige Soße denke, läuft mir beim Schreiben wieder das Wasser im Munde zusammen. Volkmar, an dieser Stelle noch mal einen Gruß an Deinen Bruder, der so trefflich gekocht hat!!

Nach dem Essen gab’s dann hier noch ein Piccolöchen, da noch ein Tässchen Kaffee mit Kuchen, es wurden Postkarten geschrieben und einfach nur beim Sitzen auf der Mauer die Sonne genossen. Eine jede Sekunde war schön! Das Betrachten der Menschen, die sich zum Picknicken in den Park begeben hatten, das Dahertrippeln eines winzigen Hündchens, welches seine Beinchen so schnell bewegte, dass es einem vor den Augen verschwamm, so flink ging das, und das nette Gespräch mit einer Gruppe Motorradfahrern in den besten Jahren, denen ich mich anbot, sie zu fotografieren, damit alle aufs Bild kommen.

b_16_kremser_5_800.jpg Die Rückfahrt mit der Kutsche war erlebnisreich und ruckelig. Volkmar hatte sogar dafür gesorgt, dass eine Kiste Gerstensaft an Bord war, damit uns von der Hitze des Tages nicht der Mund austrockne. So ging es vorbei an kleinen Häuschen mit schmucken Gärten, worin Oma mit der Gießkanne wirkte oder der eine oder andere Hund bellte. Die Haflinger schwitzten, und ich machte mir Sorgen um sie. Einer schlug vor, ich solle aussteigen und mit beim Ziehen helfen. Ja aber nur, wenn Ihr schiebt! So kamen wir lachend wieder auf dem Platz an, wo unsere Wohnmobile standen. Marina (Die Berner) und ich versorgten die Pferde noch mit frischem Wasser.{mospagebreak}

b_17_volkmar_011_800.jpg Der Nachmittag verging wie im Fluge. Die Männer steckten ihre Köpfe unter die verschiedenen Motorhauben und fachsimpelten und fotografierten. Wir Frauen bestaunten in den Nasszellen die gediegenen Behältnisse für Kosmetika, den Platz für die Klopapierrolle, den Schuhschrank für die Pumps und die Ablagen für das Weinglas am Bett. Ich wollte eigentlich noch ein halbes Stündchen ruhen (meine Epidermis!), kam aber nicht mehr dazu. Schnell hübsch machen und gewanden, in einer halben Stunde kommt das große Stinkross aus der Lutherstadt Wittenberg, um uns abzuholen.

b_18_dscf8563_800.jpg Wie die Blagen stiegen wir alle schnatternd und lachend in den Bus. Ich zählte alle durch, damit keiner vergessen wird - und los ging’s. Sogar die Fahrt nach Wittenberg war schön! Der Busfahrer nahm sein Mikrophon und erzählte uns was über die Gebäude und die Gegend rundherum. So sahen wir auch Kemberg mit dem schönen Kirchturm, der der Stadt gehört. In Wittenberg angekommen, hielten wir vor der berühmten Schlosskirche zu Wittenberg. Für mich war es richtig feierlich, als wir alle zu der legendären, breiten Türe kamen, woran Doktor Martin Luther Anno 1517 die 95 Thesen mit lauten Hammerschlägen schlug, die durch ganz Europa hallten.

b_19_img_6486_800.jpg Wir wurden schon erwartet. Von zwei in Harnisch gekleideten Stadtwächtern mit Eisenhelm. Einige Minuten später erschien dann unsere Stadtführerin, die sich mit "Marie" vorstellte. Sie führte ihre Base Johanna und eine stumme Waschmagd mit sich. Das junge Mädchen war nicht wirklich stumm, sie musste noch lernen und schaute zu und war einfach hübsch anwesend.

b_20_img_6495_800.jpg Marie schoss sofort mit ihren Erzählung los, wie ein sprechendes Geschichtsbuch! Zwischendurch machte sie sich lustig über die Namensschilder, die viele um den Hals gehängt hatten. "Soso, und du bist der Wolfgang! Und damit du weißt, wie du heißt, hast du deinen Namen auf ein Papier geschrieben und dir umgehängt. Und du? Aha, du bist der Friedhelm, falls du's vergisst, auf dem Papier steht dein Name!"

b_21_img_6516_800.jpg Es kam sofort eine lustige Stimmung auf. Die verstärkte sich dann noch, als Marie den armen Eddi zu den Stadtwächtern führte, damit sie ihm die Schandgeige anlegen wegen "Vielsauferei" und "nächtliches, langes Ausbleiben in der Taverne". Also führte sie den Ärmsten dann zu seinem Eheweib, welches mit Lachen im Gesicht die Leine der Schandgeige entgegennahm. So an den Pranger gestellt, kniete sich Eddi auch alsbald auf den Gehsteig und flehte um Gnade und versprach, sich zu bessern. Dass Eddi sich auch im profanen Leben der Schauspielerei hingibt, kam hier trefflich zum Ausdruck. Marie hätte sich keinen besseren Sünder aussuchen können!

b_22_img_6536_800.jpgSo ging es dann weiter in die Stadt, vorbei an alten Häusern und vorbei an den Wassergräben, die heute sauber und neu das Stadtbild verschönern. Zur damaligen Zeit floss durch diese Gossen jedoch kein sauberes Wasser. Mitnichten! Es wurden Nachttöpfe darin entleert, Schlachtabfälle hineingeworfen, Essensreste, Schmutzwasser von Wäsche, ja alles erdenklich Stinkende, das am Ende eine braune Brühe ergab. Dass diese dann als Dunkelbier genossen worden war, war wohl ein Scherz von Marie, der auch sogleich mit schallendem Gelächter honoriert wurde.

b_24_img_6542_800.jpg Da während unserer abendlichen Stadtführung „Es war einmal in Wittenberg“ noch ein Radrennen seinem Ende zuging, wurden Maries Ausführungen durch lautes Mikrofongeschrei gestört. Marie zog dann einfach mit uns in einen Hof, der wie ein Schallschutz wirkte. In diesem Hof war damals (1500) wie heute eine Malschule untergebracht. Damals betrieb diese Malschule der berühmte Maler Lucas Cranach. Ein altes Druckermuseum aus der Zeit Gutenbergs ist noch heute zu besichtigen. In diesem Künstlerhof wartete schon der Kutscher Johann, der sich auf seinem Stock stützen musste, da er sich schon wieder dem Trunke hingegeben und viel zu schnell mit der Pferdekutsche durch die Stadt gepeitscht war. Er wurde von Marie auch tüchtig zusammengestaucht, weil sich die vornehmen Gäste wie Katharina von Bora und Dr. Martin Luther schon ob dieser Teufelsfahrt beschwert hätten.

b_25_img_6547_800.jpg Und dann erzählte sie von der letzten Hinrichtung voriges Wochenende. Es war so lange schon nichts los gewesen, und dann war da diese Giftmischerin, die mehrere Bürger durch Gift vom Leben zum Tode befördert hätte. Endlich wurde wieder eine Vollstreckung auf dem Markplatze durchgeführt. Sie sei schon extra früh aufgestanden, auch ihre Base Johanna. „Nicht wahr, liebe Base?“. Ja, und dann wurde die Giftmischerin sogar gerädert, nicht erst hinten ins Genick wurde das schwere Holzrad gehauen, damit sie sofort tot war, nein erst alle Gliedmaßen in Teilen! Und als dann alles schön schlapp herunterhing, da wurde sie aufs Rad gebunden und durch die Stadt gezogen!

b_27_img_6579_800.jpg Wie so eine Räderung damals vonstatten ging, ist mir natürlich bekannt. Aber dass dies in dieser Art vorgetragen wurde, war mir auch neu. Da Marie aber in ihrer Schauspielkunst die damalige Zeit und das Denken zu dieser Kurzweiligkeit perfekt wiedergab, konnte man das besser verstehen und nahm keinen Anstoß daran. Dass Marie eine zertifizierte Stadtführerin ist, merkt man sogleich, wenn man sie erlebt. Die staunenden Gesichter auf den Fotos sprechen dazu Bände. Es war einfach grandios!

b_28_img_6622_800.jpg Dann ging’s weiter in den Gasthof des Wittenberger „Brauhauses“. Dort warteten schon andere Bürgerinnen aus der damaligen Zeit. Sie hatten Körbe dabei, in denen kleine Fläschchen von gesundem Kräutertrunk waren. Es war wie eine Bühne, vor der wir standen: die drei Stadtwächter mit ihren Helebarden, Marie mit ihrer Base Johanna und der stummen Magd, der trunkene Johann, der sich immer noch wankend auf seinem Stocke hielt und die zusätzlichen vier Waschfrauen mit dem Kräutertrunk.

b_30_img_6642_800.jpg Als alle einen gesunden Tropfen in der Hand hielten, forderte Marie die Anwesenden auf, einen Trinkspruch zu sprechen. Als erstes wartete Wolfgang (Die Berner) damit auf. Dann noch einer. Dann gab Marie einen Reim zum Besten...bis die Führung dann mit einem kräftig Handgeklapper und Jubelschrei dem Ende zuging. Es war einfach beeindruckend, was wir da erleben durften!

Marie hatte im Brauhaus schon einen Extra-Raum für uns reservieren lassen. So saßen dann 38 Personen in U-Form an den langen Holztischen. Als alle schon mal ihre Getränke hatten, kam Marie mit ihrem Humpen noch mal in den Gastraum, um sich von uns zu verabschieden. Bei ihrem Erscheinen brachen alle in Begeisterungsrufe aus und applaudierten wieder. –
Dann ging Marie zurück ins 16.Jahrhundert. Eine neue Gruppe wartete bereits auf sie.

b_31_manni_036_800.jpg Das gemeinsame Essen war mehr als zufrieden stellend. Für mich jedenfalls. Die nette Unterhaltung, alles noch mal Revue passieren lassen, meine knusprige Leber mit Zwiebelchen und krossen Bratkartoffeln. Zwischendurch gab es im Gasthof des Brauhauses eine Feuershow zu sehen, die zu orientalischer Musik vorgeführt wurde. Dann hörten wir nach 22:00 Uhr ein Feuerwerk. Wir zahlten und gingen durch den Gasthof und den Torbogen auf den Marktplatz, wo uns ein Feuerwerk erwartete, als hätten wir Sylvester. „Oh Gisela, das hast du aber toll organisiert!“, hörte ich von allen Seiten. „Tja, man tut, was man kann!“. Böse Zungen behaupteten später, das Feuerwerk sei der krönende Abschluss des Radrennens gewesen. Immer diese Gehässigkeiten!

b_32_img_6676_800.jpg Um 23.00 Uhr kam der Kutscher des großen Stinkrosses hinter das Brauhaus gefahren. Es dauerte etwas, bis alle Schäfchen zusammen waren. Ich zählte immer durch, jedoch es fehlten noch sechs, noch vier, noch zwei. Zum Schluss noch mal laut zählen, dann passte es.

Die Heimfahrt zu unseren Wohnmobilen war auch noch ein Erlebnis. Glücklich, von der Schandgeig’ und dem Pranger befreit zu sein, erzählte Eddi einen Witz nach dem anderen. Wir lachten uns kaputt, kaum dass man von dem einen Witz zum anderen noch Luft holen konnte. Unbeeindruckt von dem Krach dieser albernen Truppe fuhr der Kutscher unseren Platz an, rangierte souverän rückwärts in den Hof, so dass wir uns nur noch zweimal überschlagen mussten, um unsere Womos zu erreichen.

Die Nacht war frisch, und ich musste etwas einheizen. Wer Hunde hatte, führte diese noch schnell Gassi, ein mitternächtliches Geschwätz hier und ein letzter Witz da, dann war Ruhe.{mospagebreak}

Sonntag Vormittags war ein geschäftiges Treiben und Schreiben auf dem Platz zu erleben. Man schaute noch mal in Motoren, begutachtete eine tolle Fliegengitter-Rolltür (pet44), die Petra bestimmt –zig Mal hin- und hergeschoben hatte, bestaunte Geheimfächer, bewunderte LED-Lampen, die sogar um Lüftungsklappen an der Decke gezogen wurden (Waldemar), knipste mein Gartentörchen mit Rambo und Ferro (selig) im Holzrahmen usw. Und aus zwei zueinander gedrehten Pilotsitzen, die mit einem stabilen Brett verbunden waren, bestaunte man einen Schlafplatz für den Hund, liebevoll als Bett gemacht (fritzefling, Friedhelm und Marita). Und alles wurde penibel notiert. Geschäftige Aufregung war gepaart mit bedrückter Abschiedsstimmung. „Wann machen wir denn das nächste Treffen? Und wo? – Och, doch am besten gleich wieder hier, die Hunde haben ihren Wald, wir können dann mal gemeinsam Ferropolis besuchen...“, so plante man schon für das nächste Wiedersehen, obwohl wir alle noch da waren.

b_34_siegerehrung_800.jpg Zur Siegerehrung wurde mit Stühlen ein Halbkreis um eine Kamera auf Stativ gebildet. Wilfried erwies sich als guter Rhetoriker und hielt eine schöne Ansprache. Es waren so viele gute Ideen und Verbesserungen an unseren Hobby 600 festzustellen, dass es schwer fiel zu beurteilen. In der Mitte lagen die Preise. Tolle Steppdecken und Kopfkissen, die man zu einer Decke umfunktionieren konnte, gesponsort von Manni (Hobbytreiber) der auch zu den Artikeln seine Erklärungen abgab.

b_35_dscf8666_800.jpg Dann stand schnell  zahlenmäßig der Sieger für die weiteste Anfahrt fest: Simon und Ina aus Holland hatten über 700 km für dieses Treffen zurückgelegt. Für den schönsten Hobby 600 kürte man Waldemar mit seiner Wanda aus Bottrop. Detlef (von Petra pet44) bekam den Preis für das beste Zusatz-Detail, einen Batteriehauptschalter. Und einen Preis für den ältesten Hobby 600 bekamen Thomas und Susanne (Rowdy), deren Fahrzeug im Jahre 1985 gebaut wurde. Melanie und Volkmar wurden geehrt für die Gastfreundlichkeit und Organisation. Und dass ich zum Schluss auch noch für eine Ehrung aufgerufen wurde, damit hatte ich gar nicht gerechnet!  b_33_sieger_gisela_800.jpgIch bekam meinen ersten Orden im Leben. Für die gute Organisation. Und ein 40x40 Kissen in dem vornehmen Weinrot, das man von den Gürteln von Etienne Aigner her kennt. Das Kissen passt zu meinen Vorhängen im Wohnmobil. Das Besondere an dem Kissen mit Goldkordel rundherum ist, dass ein Hobby 600 unserer Bauart mit goldenem Faden aufgestickt ist. Also echt, ich war richtig gerührt!!

b_36_dscf8713_800.jpg Und dann verteilte Jörg (yakdive) zum Schluss noch ganz tolle, größere Frühstücksbrettchen mit knallroten Tomaten als Design, damit keiner ohne Preis nach Hause fährt. Und Wilfried gab noch eins obendrauf, indem er an jeden kleine, feine Aufkleber für den Hobby 600 in Originalschrift verteilte. Sie waren eine Überraschung von Lars (larsg).

b_37_img_6688_800.jpg Ein Gruppenfoto zum Abschluss mit Selbstauslöser, damit unser Fotograf Wilfried auch mit draufkommt, dann löste sich der Kreis so langsam auf. Ein jeder nahm seinen Stuhl und ging zu seinem Mobil. Richtig zäh und langsam räumte man alles ein, als wolle man es nicht wahrhaben, dass das schöne Wochenende nun vorbei ist. Die ersten Teilnehmer fuhren vom Platz, nicht ohne noch eine Ehrenrunde zu drehen. Wir standen und winkten, ich mit Geschirrtuch in der Hand. Dann verabschiedeten sich auch Wilfried mit Tochter Astrid und Waldemar mit seiner Wanda. Die vier wollten sich noch Ferropolis anschauen. Am Platzausgang saßen Melanie und Volkmar, und immer, wenn ein Wohnmobil den Platz verließ, stand Bläschen wieder auf der Leiter und knipste. Es ertönten normale Hupen und Schiffshörner zum Abschied.

b_38_dscf8711_800.jpg Endlich drehte auch ich meine Markise ein. Dabei erblickte ich oben am Himmel einen Greifvogel. „Guckt mal, da oben kreist ein Raubvogel! Wie schöön!“, sagte ich denen, die noch neben mir standen. Und alle reckten wir unsere Köpfe gen Himmel. Der große Vogel kreiste gemächlich ohne seine Schwingen zu bewegen. Ob er uns wohl beobachtete, wie wir alle so nach und nach den Platz verließen? Komische Vögel, die alle gleich aussahen und nacheinander ihre Nester wieder anfliegen? Jedenfalls bildete ich mir das so ein.

Ich war die Zweitletzte. Noch mal aussteigen, Melanie und Bläschen Küsschen links und rechts, danach kamen Anneliese und Johann (jojo) mit ihrem Mobil. Dann war der Platz leer. Auf der B 2 hielt ich noch mal kurz am Straßenrand, um nach dem Greifvogel zu sehen.

Auch er  war verschwunden. Alles war still geworden. Es gab nichts mehr zu sehen.

Kommentare  

#15 Kemberg Treffenpetra 2009-05-19 00:04
Hallo liebe Gisela,
schon lange wollte ich schreiben. Die liebe Zeit... :-)))
Du hast den Beruf verfehlt. Super geschrieben und man erlebt noch einmal alles wieder , als sei es gestern gewesen und denkt, was war es schööön. Danke für Deine Mühe!
Es grüßen herzlichst Petra und Frank (Mauzi)

Werde es Freunden zeigen und neidisch machen .:-))))))))))))
#14 bdehn 2009-05-09 20:54
Liebe Gisela ,
ein toller Bericht hast Du geschrieben,man bekommt Lust auf ein erneutes
Treffen.
Auf ein baldiges Wiedersehen freuen sich Jutta und Bruno
#13 Eddie 2009-05-09 16:41
Ja Sch... ist das jetzt schon wieder eine Woche her! Mir ist´s wie wenn´s gestern gewesen wäre! Überhaupt wenn ich Deinen Super -Bericht lese. Ganz große Klasse. Ich ernenne Dich hiermit feierlich zur Hobby-600-Frau des Jahres.
#12 geronimo11 2009-05-08 20:33
Hallo Gisela,

ein ganz wunderbarer Bericht von Dir, so haben doch auch die, welche leider zu Hause bleiben mussten das Gefühl ein kleines bißchen dabei gewesen zu sein.

Gruss Florian
#11 Hobbytreiber 2009-05-08 19:20
Hallo Gisela,

ein ganz großes Stööößchen !!!

Gruß Manni und Ilona
#10 blaeschen54 2009-05-08 19:19
Hallo Gisela
Hatte ganz tolles Pipi in den Augen, als ich den Reisebericht gelesen habe. Mein schönes Hobbykissen war völlig nass.
Du bist eine ganz tolle mitfühlende Reporterin.
Dafür auch vielen Dank
#9 AdenFroukje 2009-05-08 18:00
Es ist schade das wir nicht kommen könnten.
Ich denke, wir haben ein sehr schönes treffen verpasst.
Nächstes sind wir sicher dabei. Auch wenn es noch weiter weg von Holland ist.
Gruß Ad und Froukje
#8 Luc 2009-05-08 17:21
Wunderschöner Bericht. Ich hoffe nächste Mahl dabei zu sein.

Freundliche Grüssen

Luc
#7 Die Berner 2009-05-08 15:09
Moin aus Berne,
Schööööööööön.. ......das ist alles, was wir dazu sagen können......

Marina + Wolfgang
#6 Buddymobil 2009-05-08 13:51
Hallo Gisela,
das ist wirklich ein sehr schöner Bericht. Ich werde ich mir ausdrucken und in mein DVD-Cover stecken.

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