Mit dem Hoby 600 auf großer Tour

Beitragsseiten

Für größeres Bild bitte klicken!Nach dem Zerfall der Sowjetunion, ist es für uns nun möglich, jetzt auch in östlicher gelegene Länder zu fahren. Neugierig wie ich bin, habe ich in denn letzten Jahren bereits Litauen, Lettland und Estland erkundet. In diesem Jahr wollte ich mit dem Wohnmobil in die Ukraine. Ein guter Grund dafür war auch, dass dort unser Forumsmitglied Valerij (Tyrist Vasya) lebt. Viele Freunde des Hobby 600 kennen ihn aus dem Beitrag  „Ukrainische Restauration“. Ich habe Kontakt zu ihm aufgenommen und wir haben im Mai schon gemeinsam eine Reise zur Insel Krk unternommen. Freundlich wie seine Frau Uliana und er sind, begleiteten sie uns mit der Dolmetscherin Swetlana auf der ganzen Reise durch die Ukraine. Gleich vorab, es war eine nicht alltägliche Reise in eine etwas andere Kultur und Lebensweise. Genau das war es aber, was mich reizte.

Wir fuhren über Passau, Wien und Budapest nach Kisvárda  in Nordostungarn. Dort übernachteten wir auf dem Campingplatz, der ca. 23 km vor der ungarisch - ukrainischen Grenze liegt. Es sollte nach unseren Gewohnheiten für vier Wochen der letzte vernünftige Campingplatz sein.

Für größeres Bild bitte klicken!Am anderen Morgen ging es an die Grenze in Záhony. Die Wartezeit mit Kontrolle bei den Ungarn betrug ca. 10 Minuten. Der Grenzfluss ist die Theiß. Hinter dem Fluss ist eine Haltelinie. Wir bekommen einen Laufzettel, in den wir unsere Personalien und das Kfz.- Kennzeichen eintragen. Er sollte uns bis zum Verlassen der Grenzregion begleiten. In dem nächsten Häuschen sind Passkontrolle und Zoll. Pässe, Heimtierausweis …..Hoppla, da ist ein Raubtier (kleiner Hund). Der Grenzbeamte geht zu seinem Vorgesetzten. Er ist freundlich, höflich und zuvorkommend und begleitet meine Frau zum Hauptgebäude in das Veterinärbüro. Die Tierärztin übersieht ein paar Stempel und will uns mit den Worten „nix okay, zurück Deutschland“ wegschicken. Aber sie kennt  meine Frau nicht. Mit einer Beharrlichkeit blättert sie den Ausweis nochmals mit der Beamtin durch und weist mehrmals auf die deutsche Gründlichkeit hin. Missmutig haut die Ärztin nach 15 Minuten den Stempel rein. Später fiel uns ein, dass da wohl ein Scheinchen viel bewirkt hätte? Wir wissen es nicht, gehört haben wir aber schon davon. Endlich weiter zur Endkontrolle. Nur noch ein paar Meter, dann sind wir drin… denke ich. Aber nein, die Tierärztin war wahrscheinlich so durcheinander, dass sie den letzten Stempel vergaß. Zurück zur Ärztin, Stempel für den Laufzettel holen und dann war auch der Endkontrolleur zufrieden. Wir auch.

Für größeres Bild bitte klicken!Das Prozedere hat 33 Minuten gedauert.  Somit waren wir in insgesamt in 43 Minuten über der Grenze. Ich habe Berichte gelesen, in denen von weitaus längeren Wartezeiten die Rede war. Hatten wir nur Glück? Wir sind in der Ukraine. Unsere geplante Reiseroute soll uns auf rund 4000 km durch dieses Land führen.

Für größeres Bild bitte klicken!In der Ferne sehe ich an einer Tankstelle einen Hobby 600 stehen. Valerij steht dort  zur Begrüßung mit dem Präsidenten des Caravan- Club UA. Den Präsidenten haben wir auch schon vor drei Wochen in Kroatien kennen gelernt. Damals glaubte er mir nicht, dass ich bald zu Valerij  komme. Umso herzlicher war die Begrüßung. Wir tankten (1 l Diesel  für 98 Cent), wechselten Geld und fuhren ein paar Kilometer weiter an ein Rasthaus. Dort erzählte mir der Präsident, die Caravanbewegung in der Ukraine sei noch in den Kinderschuhen. Es gibt dort seines Wissens ungefähr 100 Wohnmobile und etwa 250 Wohnwagen. Sie kennen sich fast alle. Ein Hobby 600 sei ihm aber nur von Valerij her bekannt. Die Campingplätze sind in der Ukraine sehr rar und nicht nach unserem westlichen Niveau. Wir sollten es erfahren. Neugierig ist er auch auf meinen Bericht, den ich jetzt hier schreibe. Ich sage ihm zu, dass ich mit allen Vor- und Nachteilen, so wie ich es erlebe, über sein Land berichten werde. 

Für größeres Bild bitte klicken!Ach ja, die Währung in der Ukraine nennt sich Hrywnja (gesprochen Grina). Der 100. Teil einer Hrywnja heißt Kopijka. Falls ich Preisangaben mache, teilt es durch zehn und Ihr habt ungefähr den Betrag in Euro.

Für größeres Bild bitte klicken!Valerij treibt zur Eile an. Er will heute noch über die Karpaten nach Lemberg. Vorher wollen wir aber noch die Burg Palanok in Mukatschewe besichtigen. Wir fahren den kleinen Hügel hoch. Die Auffahrt war steil und im Burghof ist es eng. Valerij muss im engen Burghof umdrehen, dann kommt auch noch Gegenverkehr. Nach heftiger Diskussion sieht der andere Fahrer ein, dass Valerijs Wagen rückwärts zu schwer ist. Er lässt sein Auto nur 25 m (!)  zurück in eine freie Parkbucht rollen. Ich gleich hinterher, nicht dass noch einer kommt. In einer Aussprache wäre ich der Verlierer.

Für größeres Bild bitte klicken!Nach der Burgbesichtigung  fahren wir durch Mukatschewe weiter in die Karpaten über den Kamm in Richtung Lemberg. Eigentlich bin ich bis jetzt (mit Ausnahme in der Stadt Mukatschewe) mit dem Straßenzustand zufrieden. Aber urplötzlich ein Knall;  ein tiefes Schlagloch hat mich gefunden. Kaputt ist Gott sei Dank nichts. Bei uns daheim, so meine ich, wäre hier längst eine Umleitung.

Für größeres Bild bitte klicken!Ich gewöhne mir an, größeren Abstand zu Valerij zu halten. Die Reaktionszeit ist in solch einem Fall zum Ausweichen besser. Es sollte sich auszahlen. Leider ist es trotzdem während der weiteren Reise noch dreimal passiert.

Für größeres Bild bitte klicken!Valerij hat Hunger. Alle haben Hunger. Wir essen in einem Karpatenhotel kurz vor Lemberg. Die Gästezahl hält sich in Grenzen. Valerij erklärt, hier ist Skigebiet und im Winter mehr los. Ich denke eher, das Hotel ist für Normalbürger nicht erschwinglich. Es ist ein gehobenes Hotel, das Essen schmeckt, die Bedienung ist freundlich und ich übernehme die Gastgeberrolle. Ich bezahle ca. 350 Hrywnja für sechs Personen mit Getränke. Wenn ich hier in dem Bericht Zahlen nenne, betrachtet dies bitte nicht als Angabe, sondern Ihr wollt doch wissen, was das alles dort so kostet.

Für größeres Bild bitte klicken!Wir fahren weiter nach Lemberg. Nach rund 280 km haben wir unser Tagesziel erreicht. Die erste Nacht in der Ukraine schlafen wir auf dem Hippodrom mit Hotel gegenüber dem EM- Stadion. Es kostet 200 Hrywnja pro Auto. Anscheinend haben die hier noch nicht bemerkt, dass die EM vorbei ist. Wir sind auf dem Platz alleine. Aber er ist bewacht und sicher. Die Toiletten mit Dusche sind neu und sehr sauber.

Für größeres Bild bitte klicken!Am nächsten Morgen weckt uns Valerij recht zeitig. Wir wollen in Lemberg eine Stadtrundfahrt machen. Er meint, die Pferde auf der nahe gelegenen Rennbahn trainierten schon seit 5:00 Uhr. Das ist mir doch egal und gehört habe ich auch nichts. So gut war mein Schlaf.


Für größeres Bild bitte klicken!Wir fahren mit vier Personen per Taxi für ca. 45 Hrywnja nach Lemberg zur Stadtbesichtigung. Für die Strecke ist das Taxi günstig. Wir steigen am Rathaus aus und in den „Zug“ um. Diese Art von „Zügen“ findet man auch bei uns in jedem kleineren und größeren Touristenziel. Sieht aus wie ein Zug, ist aber ein Auto mit 2 Anhängern. Im Ort ist eine Demonstration. Die Menschen rufen nach dem Bürgermeister. Russisch soll als zweite Amtssprache eingeführt werden. Das gefällt den Westukrainern nicht. Swetlana sagt, die sind nicht umsonst da; die werden bezahlt. Wir standen eine halbe Stunde, gekommen ist er nicht.

Der „Zug“ fährt los in die Altstadt. Sie ist UNESCO - Weltkulturerbe. Ich lass’ Euch jetzt mit einigen Bildern allein.

  • 133 LembergLemberg
  • 134 LembergLemberg
  • 135 LembergLemberg
  • 136 LembergLemberg
  • 137 LembergLemberg
  • 138 LembergLemberg
  • 139 LembergLemberg
  • 140 LembergLemberg
  • 141 LembergLemberg
  • 142 LembergLemberg
  • 143 LembergLemberg
  • 144 LembergLemberg
  • 145 LembergLemberg
  • 146 LembergLemberg

Nach der Rundfahrt eine kurze Kaffeepause am Dianabrunnen. Eines ist uns hier in Lemberg und auch weiterhin in der Ukraine aufgefallen: die Damen laufen meist in hohen Stöckelschuhen über das holprige Pflaster. Jede ist eine Akrobatin……

Für größeres Bild bitte klicken!Zurück an dem Übernachtungsplatz ist es 4 Uhr nachmittags. Die Uhr ist in der Ukraine noch mal um eine Stunde vorgestellt. So ist es noch länger hell. Wir beschließen, nicht erneut 200 Hrywnia für eine Übernachtung zu bezahlen und fahren weiter in Richtung Kiew. Für das Geld bekommen wir auf dem Land ein tolles Abendessen. Es geht weiter. Ein Zwangshalt auf der Strecke ist die Burg Olesko. Hierhin karren alle Touristikunternehmer, die Lemberg besuchen, ihre Fahrgäste. Es kommt ein deutscher Bus. Manche sehen unser Mobil mit deutschem Nummernschild und es kommt zum Plausch. Nach der Frage wohin? „Auf die Krim“, sagt er „ihr traut euch was“. Meinerseits ein leichtes Lächeln; er weiß ja nicht, dass wir beste Begleitung haben.

Für größeres Bild bitte klicken!Wir besichtigen die Burg. Eigentlich ist fotografieren hier ja verboten. Ständig rennt eine Aufpasserin hinter Uliana her und ermahnt sie deswegen. Aber Uliana ist clever. Swetlana und meine Frau unterhalten sich in Deutsch und sie gesellt sich dazu. So meint die Wärterin, sie versteht nichts und haut ab. Nix versteh’n ist manchmal immer gut.

Für größeres Bild bitte klicken!Ein schöner Anblick  sind für uns:  zwei in Kosakentracht … Nach 220 km erreichen wir hinter Riwne unseren nächsten Übernachtungsplatz in  Hoscha. Wir stellen uns auf einen TIR- LKW Parkplatz. Der Platz ist umzäunt, abgeschlossen und bewacht. Valerij kennt den Platz und wir haben hier eine sichere Bleibe zwischen den ganzen Lastwagen. Es  sieht ruhig aus, aber gegen Abend kommen immer mehr LKW. Zum Glück stellt sich aber kein Kühllaster neben uns. Statt Stellplatz in Lemberg gibt es in Hoscha nun ein  leckeres Abendessen.

Für größeres Bild bitte klicken!Gut ausgeruht wollen wir am nächsten Tag Kiew erreichen. Die Straße ist sehr gut ausgebaut. Es geht immer geradeaus, nur gelegentlich ändert ein leichter Knick die Richtung. Auf der Strecke machen wir noch einen Halt bei einem Cafe. Hier sind russische Oldtimer ausgestellt. Schaschliköfen sind für Valerij und mich die schönsten Öfen. Schaschlik und Teigtaschen sind neben Gemüse das Nationalgericht in der Ukraine.

Für größeres Bild bitte klicken!Weiter geht’s. Wir lassen Zhytomyr auf der Umgehungsstraße rechts liegen. Die Straße nennt sich zwar Autobahn, aber es spielt sich alles darauf ab. Für Fußgänger sind in den Ortschaften Zebrastreifen eingerichtet, sehr oft sogar

Für größeres Bild bitte klicken!

noch ohne Ampel. Ab und zu, vor allem in Ortschaften, sind auch Kühe am Randstreifen angepflockt. Die Tiere gehören Leuten, die meistens kein Land zum Grasen haben. Es ist Vorsicht geboten, vor allem nachts …. aber da fahren wir wohlweislich nicht.

 


Nach 300 km erreichen wir Kiew, die Hauptstadt der Ukraine. Kiew hat 2,9 Mio. Einwohner und ist eine der schönsten Städte der Welt. Das wollten wir uns am nächsten Tag anschauen.

Heute fahren wir schnurstracks zu dem Campingplatz, der in einem bewachten Park integriert ist. Wir sind wieder alleine. Geparkt wird auf einer betonierten Fläche. Es sind ein Baumarkt-Swimmingpool und ein Dixi- Klo vorhanden. Einfach, aber alles sauber und bewacht.   

Es ist sehr heiß, endlich Pause im Schatten. Denkste. Unser Organisationstalent Valerij hat seinen Vater, der in Kiew wohnt, heute noch zu einer Stadtrundfahrt  verdonnert. Meine Frau, Swetlana und ich fahren natürlich mit.

Bilder ohne Kommentar ….

  • 278 KiewKiew
  • 279 KiewKiew
  • 280 KiewKiew
  • 281 KiewKiew
  • 282 KiewKiew
  • 283 KiewKiew
  • 284 KiewKiew

Bei der Rückkehr schenkt mir Valerijs Vater noch einen Bildband von Kiew. Eigentlich wollte ich ihm etwas Gutes tun. Er hat dankend abgelehnt. Brav nehme ich an; denn ich habe irgendwo gelesen, die Ukrainer sind sonst etwas gekränkt.

Es war kein Restaurant in der Nähe, besser gesagt, wir waren zu faul, noch wohin zu fahren. Es gibt selbst gemachte Gulaschssuppe aus Gläsern. Lecker!

Für größeres Bild bitte klicken!Am nächsten Morgen wollten wir nach Kirowograd. Valerij wohnt dort. Wir fahren Richtung Uman. Valerij muss Geld abheben, meine Frau und Swetlana gehen einstweilen in einem kleinen Magazin (= Tante Emma Laden) einkaufen. Ich bewache die „Maschina“.

Plötzlich kommen zwei junge Kerle, schimpfen lautstark, hier wäre Hotelparkplatz. Ich sehe mich um. Ein nicht gerade schickes Hotel ist zwar da, aber auf ca. 20 Parkplätzen kein einziges Auto. Was soll der Terror? Sie merken, dass ich nicht darauf eingehe und fragen auf einmal nach dem Weg. Mich….? Ich zucke mit den Achseln. Inzwischen sind Swetlana und meine Frau zurück. Ich sehe nur noch einen, der vor der Kühlerhaube auf einmal einen Geldbeutel findet. Während er ihn mir zeigt, deutet er mir mit dem Finger auf dem Mund an, ich solle nichts verraten. Ich frage meine Frau und er zeigt ihr den Geldbeutel. Der ist zwar schwarz wie ihrer, jedoch prall mit Scheinen oder „Blüten“ gefüllt. Geistesgegenwärtig verneint sie, so viel Geld habe sie nicht und es ist nicht ihrer. Swetlana wird unruhig und ruft Valerij an. Der „Geldbeutelbesitzer“ bemerkt, dass sie Ukrainerin ist und alles versteht; auch das, was vorher beide besprochen haben. Plötzlich will er wissen, wohin wir fahren. Sie lügt und sagt spontan „nach Odessa“. Dorthin geht es an der nächsten Kreuzung gerade aus. Wir wollen aber links ab nach Kirowograd. Stolz ist sie, weil sie geblufft hat. Trotzdem ist der Kerl wütend, bedroht sie und sagt, wir kämen hier nicht lebend raus. Ich verstehe nichts, sie sagt das so. Nach ein paar Minuten kommt Valerij. Swetlana erzählt ihm den Vorfall. Er geht nicht näher darauf ein und wir fahren nicht geradeaus, sondern links ab auf die E 50 nach Kirowograd. Noch heute weiß ich nicht genau was das sollte, habe aber gelesen, die behaupten dann, da wäre mehr drin gewesen und wir hätten gestohlen.

Zu allem Übel passiert da auch noch ein Malheur.  Kaum haben wir uns von dem Schreck erholt, ertönt plötzlich ein dumpfer Knall. Was war das? Im ersten Moment wussten wir nicht was los war. Also alle Schränke usw. geöffnet. Im Kühlschrank dann das Chaos: Ich habe bei einem Metzger neben der Gulaschsuppe auch selbst gekochten Gulasch in Dosen eingekauft. Extra für Valerij, weil er bei der ersten Reise nach Krk in einem ungarischen Gasthaus am Plattensee kein Gulasch bekam. Jetzt war eine Dose Gulasch „hochgegangen“. Überall rote Soßenflecken mit Fleischeinlage. Eine Stunde haben Swetlana und meine Frau in der Hitze geputzt und alles wieder sauber bekommen.

Für größeres Bild bitte klicken!Die Straße von Kiew nach Uman war nicht die Beste, kein Vergleich mit der von Lemberg nach Kiew. Es sollte noch schlechter werden und ich drossle die Geschwindigkeit. Meine Frau hat Schwierigkeiten mit den Bandscheiben. Teilweise sind nur noch „30“ drin. Valerij weiß das und wartet immer wieder auf uns.

Fünfundzwanzig Kilometer vor Kirowograd liegt das Dorf Velyka Vyska. Hier wohnt Nastya mit ihrer Familie. Nastya hat noch vier Geschwister und die Familie ist arm dran. Ich habe Nastya auf einem Bild von Valerij kennen gelernt und ich unterstütze sie und ihre Familie seit etwa einem halben Jahr ein wenig aus meiner Privatschatulle.

Wir halten kurz an einem Magazin an, um Gastgeschenke zu kaufen. Dann geht es weiter zu Nastya und ihrer Familie. Nastya und ich schreiben uns Briefe. Valerij übersetzt den Brief und schickt ihn mir. In einem schrieb sie, dass sie auch gerne einmal verreisen würde. Aber Mama und Papa haben kein Geld dafür. Mit Valerij besprochen, kamen wir zu dem Entschluss, wir nehmen die fünf Kinder und die Mutter ein paar Tage mit an das Schwarze Meer zum Camping. Aber dazu später mehr, wir hatten noch etwas anderes vor.

Für größeres Bild bitte klicken!Wir fuhren zu einem Übernachtungsplatz an einen See bei Velyka Vyska, mitten in die Natur. Valerij kennt sich hier gut aus. Er hat hier in dem Dorf eine kleine Manufaktur mit ein paar Arbeitern. Valerij schlief bei der Hitze draußen. Die Nacht verlief ruhig und nur früh am Morgen weckten uns badende Kühe.

Für größeres Bild bitte klicken!Ach ja, am Abend zuvor „ verfolgte “ uns noch ein Junge. Er wollte sich unbedingt mit uns unterhalten. Gut, dass Swetlana dabei war. Auf einmal war er verschwunden. Zurück kam er mit einem kleinen Sack voller Ostblock- Münzen. Ich gab ihm ein paar Euromünzen und auch einen 1-er und einen 2-er Euro. Er wollte den Wert wissen. „ca. 50 Hrywnja“ übermittelte Swetlana. Das war zuviel für ihn. Euro und die noch im Wert von 50 Hrywnja! Er war später unser Lotse zurück nach Velyka Vyska zu Nastya.

Für größeres Bild bitte klicken!Valerij fuhr einstweilen nach Hause vor. Wir können noch etwas bei Nastya bleiben und später zu ihm kommen. In der Zwischenzeit hat Valerij Essen zubereitet. Er ist ein exzellenter Hobby- Koch; nicht nur Hobby- Fahrer.

Für größeres Bild bitte klicken!Am anderen Morgen erfolgte unsere Abreise zur Krim. Die stete Hitze macht uns zu schaffen. Während der Fahrt zur Krim zeigte das Thermometer immer um die 40 Grad. Wir kaufen uns unterwegs bei einer Pause Teigtaschen mit Fleisch aus dem Steinofen. Herkunft unbekannt, einfach von der Ofenwand, schmeckt aber. Zuschauen und überlegen darf man nicht, wir haben aber keine Magenprobleme.

Kurz vor Mykolaiv wird die Straße sauschlecht. Hier ist es keine Kunst Auto zu fahren, sondern eine Kunst, den tiefen Löchern auszuweichen. Leider sieht man es auf den Bildern nicht so. Das war die schlechteste Strecke, aber im weiteren Verlauf wurde die „Teerdecke“  nach 30 km wieder etwas besser. Im Allgemeinen  sind die Straßen im Süden schlechter als im Norden.

Für größeres Bild bitte klicken!Mykolaiv hat fast 500000 Einwohner und ist ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Hier teilt sich die Strecke Odessa – Kiew zum einen nach Odessa, zum anderen auf die Krim. Mykolaiv lebt vom Schiffsbau. U.a. wurde hier die Schwarzmeerflotte gebaut. Wir fahren weiter in Richtung Cherson. Dann passiert das, was wir eigentlich nicht erleben wollten: ein Unfall. „Die Strecke ist frei“, denke ich noch. Dann der Stau. Aber gefahren wird überall. Die Autos kommen uns entgegen, wo es eben geht.

Für größeres Bild bitte klicken!An dieser Stelle muss endlich etwas zur Fahrweise der Ukrainer geschrieben werden. Sie sind einfach schlicht gesagt: Kamikaze- Fahrer. Es wird rücksichtslos gefahren, auf Teufel komm raus überholt, keine Überholverbotsschilder beachtet, Grenzstreifen bei Abbiegungen und geschlossene Striche missachtet, rechts überholt und es gibt keine unübersichtlichen Kuppen oder Kurven. Fehlt noch was, oder habe ich alles aufgezählt? Ach ja, rasen tun sie auch noch. Schlechte Straßen ist kein Hindernisgrund dafür und die anderen haben ja auch Bremsen. Es ist ratsam, größte Vorsicht walten zu lassen. Auch muss vor Kuppen und Kurven genügend Abstand zum Vordermann gehalten werden. Meist will noch einer rein. Es geht nicht? Ja doch, er fährt rein. Dann wird es eng; so geschehen auch in Lemberg und Kiew.

Wir erreichen Cherson. Die Stadt hat 341.000 Einwohner und es herrscht ebenfalls der Schiffsbau vor. Cherson liegt am Beginn des Dnepr-Mündungsdelta; es sind noch 30 km bis zum Schwarzen Meer. Hier leben schon die ersten Krimtataren. Da es bald Abend ist, fahren wir durch Cherson durch. Bei der Überquerung der Dnepr-Brücke staunen wir über den großen Fluß.

Für größeres Bild bitte klicken!Trotz der fortgeschrittenen Zeit machen wir eine Stresspause. An dieser Stelle müssen wir Valerij und seiner Frau ein großes Lob aussprechen. Ständig ist er um uns besorgt, kauft ein, schleppt Obst und Tomaten an, bringt Verpflegung, lässt uns nicht verdursten und erkundigt sich immer wieder nach unserem Wohlbefinden. Dankend bestätigen wir ihm: „es ist alles o.k.“

Apropos verdursten. Eines soll man in der Ukraine unbedingt vermeiden: Wasser aus der Leitung trinken. Wir verwenden nur Wasser aus dem Supermarkt;  mit oder ohne Gaz. Unser Hund mag aber nur kohlensäurefreies, das andere ist ihm zu unruhig.


 Für größeres Bild bitte klicken!Weiter geht’s zur Krim. Es dämmert langsam und für uns wird es Zeit für einen Übernachtungsplatz. Wir landen in Armyansk, der nördlichsten Stadt auf der Krim mit ca. 25.000 Einwohnern.

Es ist Samstagabend und wir finden am Ortseingang einen größeren Platz. Er ist umrundet mit einer Tankstelle, Disco, Supermarkt usw. und liegt direkt an der Hauptstraße. Erste beschwipste Jugendliche laufen vorbei und es ist sehr laut. Das passt uns beiden nicht. Wir landen in einer Seitenstraße vor einem Hotel. Der Wachmann lässt uns nicht in den Hof („Anweisung vom Chef“ sagt er), aber wir können ruhig dicht an der Mauer bleiben, dann hat er uns in der Videoüberwachung. Wir bleiben und wir haben eine ruhige Nacht.

Für größeres Bild bitte klicken!Am nächsten Morgen geht es weiter nach Simferopol, der Hauptstadt der autonomen Krimrepublik innerhalb der Ukraine. Die Krim war schon immer ein Zankapfel zwischen Russland und der Ukraine. 1954 wurde sie von Nikita              Chruschtschow an die Ukraine übergeben. Anlass war ein 300 Jahre alter Treueid.

Für größeres Bild bitte klicken!Auf der Krim fährt von Simferopol über Alushta nach Jalta mit 86 km die längste Trolleybuslinie der Welt. Über das Krimgebirge konnte keine Bahnlinie gebaut werden.

Die Krimberge kommen in Sicht. Das krimgebirge ist bis zu 1550m hoch. Wir erklimmen den Angarskyi- Pass (752 m), um dann bergab nach Alushta, einen neben Jalta bekanntesten Bade- und Erholungsort auf der Krim zu fahren. In Alushta haben wir das Schwarze Meer erreicht.

Für größeres Bild bitte klicken!Am Stellplatz angekommen, war da eine Schranke. Der Wärter wollte uns nicht reinlassen. Diskussion…. auf einmal waren wir drin. Wie das ging, das wollte ich nicht wissen, ein Scheinchen? Ich habe es nicht erfahren und auch nicht nachgefragt. In solchen Fällen hat sich Valerij bestens darum gekümmert. Ein Vorteil, wenn man die Landessprache spricht.

Für größeres Bild bitte klicken!Schön und sauber war es da nicht, aber was soll’s, wir blieben ja nur zwei Nächte. Zwei Vorteile hatten wir trotzdem. Zum einen: ein Ukrainer, der etwas deutsch sprach, bot uns Hilfe an. Wenn etwas sei, sollten wir an seinen Strandkiosk klopfen, er schläft hier. Zum anderen: zu den Müllcontainern und den vielen blauen Säcken haben wir von unserer Eingangstür nur fünf Meter.

Für größeres Bild bitte klicken!Wir fahren wieder weiter. Die Straße führt auf halber Berghöhe nach Jalta. Toll die Aussicht, rechts die Berge, links das Meer. Die Straße ist o.k. Einmal haben wir auf der Strecke in einer Parkbucht gehalten, um wegen der Hitze (über 42 Grad) etwas in den Schatten zu fahren. Auf der Straße kocht und schmilzt der Teerbelag. Plötzlich waren zwei Uniformierte da und verjagten uns. Kein Halteverbot, nichts. Es ist halt so in der Ukraine, wir haben es nicht verstanden. Vielleicht ist es auch wegen der Pipeline, die überirdisch am Straßenrand verlegt ist.

Für größeres Bild bitte klicken!„Das Schwalbennest und der Liwadija-Palast seien in Jalta mit dem Hobby schwer zu erreichen“ lässt Valerij uns übersetzen. Ob wir mit dem Taxi wollen? Nein, eigentlich bei der Hitze nicht. Von unserem Standpunkt an der höheren Straße sehen wir, wie schön Jalta liegt. Das reicht uns und wir fahren über die gut ausgebaute Krim- Küstenstraße weiter. Durch ein Viadukt geht es langsam bergabwärts und wir nähern uns Sewastopol, dem Heimathafen der Schwarzmeer-Flotte.

Ich hatte vor unserer Reise fünf Hauptziele in der Ukraine: Lemberg, Kiew, Jalta, Odessa  und die Schwarzmeer- Flotte.

Für größeres Bild bitte klicken!Auf der Suche nach dem Campingplatz kommen wir an einigen kleinen Neubauten vorbei. Sewastopol hat viel Geld. Warum, später mehr. Dann der Hammer. Wir finden versteckt den Campingplatz, das Tor ist verschlossen. Wir läuten und fragen nach: ja, wir können rein fahren und „campen“, wenn wir gleichzeitig Zimmer mieten? Warum ist dann da ein Campingplatz- Schild? Wir erfahren es nicht. Valerij kocht, ruft einen Kumpel an, der wieder andere…. es dauert. Gleich nebenan ist eine Kneipe. „Komm Valerij, wir gehen essen. Das Handy läutet auch dort.“ Wenigstens ist das Essen gut und wie immer für unsere Verhältnisse billig. Es klingelt, ein Campingfreund von Valerij weiß hier noch einen versteckten Platz. Wir fahren weiter und suchen. Der Platz ist wirklich versteckt, aber wir finden ihn. Der Campingplatz ist ringsum eingezäunt und bewacht. Ich beobachte so, was der Posten auf dem Wachturm treibt. Es ist eine absolut ruhige Nacht. Ich überlege auch kurz, wo wir hier eigentlich auf dem Globus sind. Fast habe ich die geographische Lage von Jalta oder Sewastopol erraten. Wer annimmt, die Orte würden weit südlich liegen, der irrt. Derselbe Breitengrad verläuft etwa in der Höhe von Genua, der Längengrad ist allerdings 230 Kilometer von uns aus gesehen vor Moskau.


Für größeres Bild bitte klicken!Am nächsten Tag wollen wir den Hafen und die bekannte Schwarzmeerflotte besichtigen.  Aber der Reihe nach: Die Flotte liegt im ukrainischen Hafen Sewastopol. Seit dem Zerfall der UdSSR ist sie für horrende Pacht immer noch hier. Man spricht von 100 Millionen Dollar jährlich, sowie enormen Preisnachlässen beim Erdgaskauf für die Ukraine. Der Vertrag läuft bis 2042. Deswegen schwimmt auch Sewastopol  für hiesige Verhältnisse im Geld, was sich natürlich in der Stadt zeigt. Leider haben sie wie fast überall die Straßen vergessen.

Valerij ruft ein Taxi an und handelt wie immer die Preise aus. Das ist unbedingt nötig, sonst kann es bis zum Dreifachen kosten. Wir zahlen für die Hinfahrt mit 15 Minuten Extra- Stadtrundfahrt 60 Hrywnja; zurück 37 Hrywnja.

Für größeres Bild bitte klicken!Nach einem Gewitter regnet es heute und das nicht wenig. Wir suchen uns trotzdem ein Hafentaxi. Das erste, das Valerij findet, hat einen zu hohen Einstieg ohne Festhaltemöglichkeit. „Nein, nein, Valerij ….. ich habe keine Lust darauf, mit meinen eh’ schon ramponierten Gehwerk hier im Krankenhaus zu landen.“ Aber wie Valerij ist, er gibt nicht auf, rennt im Hafen umher und findet einen alten Kasten. Es klappt mit der Hafenrundfahrt.

Im Hintergrund  Camping – Stapel – Stühle. Darüber werde ich noch schreiben … Die Hafenrundfahrt ist wieder ohne Kommentar. Ich kenne die Namen der Schiffe bis auf eines, das Flaggschiff Raketenkreuzer Moskva, nicht.

Wir starten und es beginnt stark zu regnen. Eigentlich bei der Hitze eine willkommene Wohltat. Der Wind frischt auf und der Wellengang ist für dieses Boot erheblich. Jetzt müssen wir hier durch, meint er zu Swetlana. Sie ist kreidebleich, aber tapfer. Hier war früher absolutes Sperrgebiet. Unser Skipper zeigt uns viele Schiffe der Schwarzmeerflotte. Zum Teil sehr verbeult und verrostet; Hauptsache, sie schwimmen noch. Dann das Flagschiff. Kaum zu glauben, dass so ein paar Rohre eine solche Bedrohung  bedeuteten. Von einem Hospitalschiff erzählt uns der Skipper, dass die Operationstische auf Öl liegen. Das soll bei Wellengang saubere Schnitte ermöglichen. Welch eine Beruhigung. Natürlich führt uns unsere Rundfahrt auch durch den ukrainischen Teil , der bei Bedarf mit Netzen verschlossen werden kann. Unterwegs gesteht Swetlana meiner Frau, dass sie schlecht schwimmen könne. Seekrank? Swetlana  …. Nein. Kaum an Land, wird sie wieder frech.

  • Hafen_08Hafenrundfahrt
  • Hafen_09Hafenrundfahrt
  • Hafen_10Hafenrundfahrt
  • Hafen_11Hafenrundfahrt
  • Hafen_12Hafenrundfahrt
  • Hafen_13Hafenrundfahrt
  • Hafen_14Hafenrundfahrt
  • Hafen_15Hafenrundfahrt
  • Hafen_16Hafenrundfahrt
  • Hafen_17Hafenrundfahrt
  • Hafen_18Hafenrundfahrt
  • Hafen_19Hafenrundfahrt
  • Hafen_20Hafenrundfahrt
  • Hafen_21Hafenrundfahrt
  • Hafen_22Hafenrundfahrt
  • Hafen_23Hafenrundfahrt
  • Hafen_24Hafenrundfahrt
  • Hafen_25Hafenrundfahrt
  • Hafen_26Hafenrundfahrt
  • Hafen_27Hafenrundfahrt
  • Hafen_28Hafenrundfahrt
  • Hafen_29Hafenrundfahrt
  • Hafen_30Hafenrundfahrt
  • Hafen_31Hafenrundfahrt

Da Seeluft bekanntlich Hunger macht, gingen wir gleich im Hafen etwas essen. Das war exklusiv und teuer. Aber wir wollten nicht erst groß suchen und das Taxi kam hierher. Nach dem Essen ging es zurück zum Campingplatz. Unterwegs sahen wir noch einen Tapeziertisch mit gebrauchten Militärkappen der Schwarzmeer- Flotte, das Stück zu 100 Hrywnja. Da musste ich zwei haben.

Am nächsten Tag verlassen wir Sewastopol wieder, wir wollen uns mit Nil in Mykolaiv treffen. Nastya’s Familie kommt zum Campen.

Für größeres Bild bitte klicken!Die Krimberge werden kleiner, die Krimsteppe beginnt wieder. Es ist wie bei der Anreise eine eintönige Reise. Eine Abwechslung bietet nur Simferopol. Hier hätten wir nicht den Umgehungsschildern folgen sollen. Valerij ist der Meinung, durch die Stadt wäre die Straße besser gewesen. Er fährt hier nie wieder. Die Bettelei hält sich eigentlich in Grenzen, vielleicht weil wir zu viel gefahren sind. Das kleine Rohr vor den Hütten ist die Gasleitung, sie ist im ländlichen überall so verlegt.

Die Hitze ist enorm, also Rast. Es gibt wieder Samsa (Teigtaschen) von Krimtataren im Ofen zubereitet. Das Schwarze Meer zeigt sich tümpelartig zum letzten Mal.

Valerij und ich müssen die Versorgung sicherstellen, gerechnet wird mit einer Art Abakus (Rechenbrett). Meine Frau zweifelt, ob die das kann, einfach ein paar Kugeln hin und her und fertig ist die Rechnung.

Es geht weiter und ich sehe ca. 50 Meter vor mir eine riesige Staubwolke, Bremslichter, ein LKW stoppt. Ihm ist am Zugwagen der Hinterreifen zerplatzt. Die Arbeit möchte ich jetzt bei der Hitze nicht haben. Ein riesiges Feld taucht auf und wir machen einfach am Straßenrand wieder hitzefrei. Ich stehe vor Sonnenblumen bis zum Horizont.

Für größeres Bild bitte klicken!Auch die Krim geht einmal zu Ende, das Thermometer zeigt um 18 Uhr noch ca. 40 Grad. Die Damen erholen sich am Krimkanal. Hier fahren keine Schiffe. Er dient der Zuleitung für das Brauchwasser der Krim. Auf der Krim herrscht Trinkwassermangel, also wird in Cherson vom riesigen Dnepr einfach Wasser gestohlen und auf die Krim geschickt. So einfach geht das….

Kurz vor unserem Übernachtungsplatz an einem Hotel winkt jemand am Straßenrand in einem kleinen Wäldchen mit offener Motorhaube. Wir halten nicht.

Unser Hotel mit Reparaturwerkstatt ist diesmal offen und wir bleiben da. Auf der Hinreise hatten sie Ruhetag, deshalb die Übernachtung in Armyansk  neben der Hotelmauer.

Für größeres Bild bitte klicken!Beim Abendessen gesellt sich ein Österreicher zu uns. Er kommt aus Kärnten angeradelt und will zu einem Open-Air-Festival nach Sevastopol.  Er fährt mit einem Rennrad und hat das Zelt und alles andere auf dem Rücken. „ So käme er schneller voran“, erklärt er. Der hat Humor. Ich hätte eher einen Anhänger ans Rad gebaut. Ununterbrochen schimpft er auf die Schlaglöcher und die PKW- und LKW- Fahrer. Die würden dauernd versuchen, ihn in den Straßengraben zu drängen. Humpelnd  und mit einer Blase am Fuß geht er in früh zu Bett. „Wan i des scho zahl“ schmunzelt er. Wir jedenfalls wünschen gute Reise. Am anderen Morgen sehe ich ihn tatsächlich mit dem Rucksack auf dem Rücken strampeln. Lange schaue ich ihm nach und bewundere ihn irgendwie.

Für größeres Bild bitte klicken!Zurück am Hobby habe ich dann mit dem Handy probehalber in Deutschland angerufen, was ich aber bestimmt nicht mehr mache. 6,02 Euro haben 1:27 Minuten gekostet. Die billigere Variante ist eine ukrainische Karte zu kaufen, aber wen soll ich anrufen?

Für größeres Bild bitte klicken!Die Nacht verlief wieder ruhig. Wir starten Richtung Mykolaiv, denn wir wollen dort Nil, den Leiter der Royal- Ranger Gruppe von Kirowograd, treffen. Ich habe Nastya und Ihrer Familie doch versprochen, sie einige Tage  nach Odessa zum Campen mitzunehmen. Dadurch, dass Nil mit dem „Omnibus “ kommt, sparen wir uns 360 Kilometer schlechte Straße. Der „Omnibus“ ist ein Lieferwagen nur mit Ladefläche. Die Sitze für sechs Personen sind einfache Plastik-Gartenstühle in weiß. Auf der Rückfahrt werden die Stühle, so wie bei der Hafenrundfahrt gesehen, gestapelt. Das spart Platz. Das Auto ist sogleich Lieferwagen wie auch „Omnibus“. Eine tolle Lösung. In Deutschland steht darauf  „Tod durch den Strang“.

Aber nichts desto trotz, sie sind da und warten auf uns. Was für ein Hallo! Wir verteilen die Familie auf unsere Wohnmobile und fahren nach Odessa. Die Straße dorthin ist neu geteert und gut. Welch eine Erholung für den Hobby und die Besatzung.


Für größeres Bild bitte klicken!In Odessa steuern wir sogleich den Campingplatz an. Die Zufahrt führt über sagenhaft holprige Straßenbahnschienen hinter ein Autohaus. Eigentlich hätte man zum Überqueren eine kleine Rampe gebraucht. Wir müssen um einige Ecken und stehen auf einem Parkplatz. Er ist nicht groß, aber gleichzeitig Abstellplatz für einige riesige, schäbige Müllcontainer und massenhaft blaue Beutel. Valerij  verschwindet in einem kleinen Tor und alle anderen warten in der Hitze. Er kommt wieder, erklärt dass wir hier stehen bleiben können und es soll für uns alle 400 Hrywnja pro Tag kosten. An das Meer müssen wir durch das Tor über den überfüllten Campingplatz. Und das Zelt für die Kinder? Habt Ihr schon mal Heringe in einen Betonboden geschlagen? Ich nicht. Wir flüchten wieder über die Straßenbahnschienen und fahren nach außerhalb.  

Für größeres Bild bitte klicken!Außerhalb von Odessa kommen wir an die Küste und sehen einen Strandplatz mit Zelten und sogar zwei Wohnwagen. Wie in der Ukraine üblich, kennt Valerij einen Besitzer davon. Wir halten an und fragen nach. Der Platz ist halb leer und doch voll. Der Grund dafür ist ein internationales Bikertreffen am nächsten Tag und dafür braucht er jeden Platz. Er rät Valerij 500 Meter weiter zu fahren. Da wäre eine provisorische Einfahrt, sie gehört auch zu diesem Platz. Wir sehen aber nur Leitplanken. Valerij recherchiert und trifft einen Wächter. Ja, sagt der, ihr könnt gleich rein. Wo rein, durch die Leitplanke?

Für größeres Bild bitte klicken!

Der Wächter verschwindet und kommt mit einer Ratsche zurück. Kurzerhand schraubt er die Leitplanke ab. Weil sie nur an zwei Schrauben hängt, ist es kein Problem. In gefährlicher Schräglage können wir einfahren. Kaum sind wir drin, befestigt er die Leitplanke mit seinem Kumpel wieder; uns soll es egal sein. Bei unserer Abreise soll der Haupteingang vorne wieder offen sein. Wir finden einen angenehmen Platz. Der Preis hier am Strand beträgt für 10 Personen, 2 Hobby 600 und ein großes Zelt 160 Hrywnja; keine 400 wie an den Containern in Odessa. Von vier Badetagen gibt es nicht viel zu berichten: Nastya entdeckt ein Ungeheuer. Valerij bekommt Besuch von Verwandten aus Mykolaiv. Immer und überall gibt es zur Begrüßung Wodka und es wird gegrillt; es gibt Schaschlik. Ein Gewittersturm zieht auf. Der blies so heftig, dass ein Klo- Häuschen platt war. Schade war es auf keinen Fall. Zum Glück war keiner drin.

Einmal ging Valerij auf Fototour und machte interessante Schnappschüsse. Es lohnt sich, die zu betrachten. Auch sollt Ihr ein paar Bilder vom Bikertreffen sehen.

  • 795 CampingCamping
  • 796 CampingCamping
  • 797 CampingCamping
  • 798 CampingCamping
  • 799 CampingCamping
  • 800 CampingCamping
  • 801 CampingCamping
  • 802 CampingCamping
  • 803 CampingCamping
  • 804 CampingCamping
  • 805 CampingCamping
  • 806 CampingCamping
  • 807 CampingCamping
  • 808 CampingCamping
  • 809 CampingBikertreffen
  • 810 CampingBikertreffen
  • 811 CampingBikertreffen
  • 812 CampingBikertreffen
  • 813 CampingBikertreffen

Natürlich wollten die Kinder mit der Mutter einmal nach Odessa. Ich gab ihnen 200 Hrywnja  mit. Sie fuhren zu sechst mit dem Bus, kauften Eis und Getränke, Andenken und brachten noch Lebensmittel mit. Alles für 200. Auch meine Frau und ich wollen mit Swetlana Odessa besuchen. Uliana und Valerij kennen die Stadt schon. Sightseeing mit dem Taxi ist viel zu teuer. Odessa sei sowieso neben Kiew mit die teuerste Stadt der Ukraine. Auch hier hat unser vorsorglicher Valerij eine Lösung. Er ruft einen Campingfreund an, der hat keine Zeit. Aber der Campingfreund ruft wieder einen Bekannten an, der hat Zeit. So kommen wir für 200 Hrywnja drei Stunden nach Odessa. Hier ist das Ergebnis:

  • 849 OdessaOdessa
  • 850 OdessaOdessa
  • 851 OdessaOdessa
  • 852 OdessaOdessa
  • 853 OdessaOdessa
  • 854 OdessaOdessa
  • 855 OdessaOdessa
  • 856 OdessaOdessa
  • 857 OdessaOdessa

Jeden Abend kommt der Kassier des Platzes und holt seine 160 Hrywnja ab. Immer wieder bestaunt er Valerijs und mein Auto aufs Neue. Auch mein deutsches Nummernschild lässt ihm keine Ruhe. Er kennt zwar die Schilder; aber die damit hierher kommen, sind alles Ukrainer, die in Deutschland leben und arbeiten. Aber ein richtiger Deutscher war noch nie hier. Er hält mich für einen Exoten.

Betrübt bauen die Kinder das Zelt ab, aber wir müssen heim. Der Termin mit Nil und dem Besuch des Waisenhauses in Rivne bei Kirowograd steht an. Meine Frau graut es schon wieder vor der schlechten Straße zwischen Mykolaiv und Kirowograd. Ich tröste sie mit der guten bis Mykolaiv.


Für größeres Bild bitte klicken!Wir machen in einem Dorf bei einer älteren Frau Halt. Sie sitzt auf einem Stuhl vor ihrem Haus und bietet bei der Hitze einen Becher kühles Wasser aus dem eigenen Brunnen an. Das Wasser kann man trinken. Ich will ihr eine Kleinigkeit geben, aber Swetlana rät ab. Die Frau würde es als Kränkung ansehen. Achselzuckend füge ich mich.

An noch etwas muss ich mich  in der Ukraine gewöhnen. Man begrüßt hier nur den Mann mit Handschlag, die Frau nicht. Jetzt erst verstehe ich, warum Nastyas Mutter und manch andere Damen verwundert und zurückhaltend waren. Mein Anstand drängt mich nicht zu diesem Verhalten. Ich denke, ich überlasse es der Situation, aber es soll hier so Sitte sein. Wir sind durch den schlechten Straßenabschnitt gefahren und machen Halt an einem Dorfgasthaus zum Essen. Ich bestelle, na was? Ja richtig, Schaschlik vom Straßenrand. Diesmal eine neue Kreation. Ich bekomme ein ganzes Kotelett aufgespießt. Es schmeckt trotzdem.

Für größeres Bild bitte klicken!Gegen 17:30 Uhr  kommen wir an den Stadtrand von Kirowograd. Hier ist Treffpunkt mit Nil und seinem „Omnibus“. Es muss schnell gehen. Die Kinder steigen um und Nil bringt sie heim in das 25 km entfernte Velyka Vyska. Valerij hat noch einen Termin. Beide Autos sollen heute noch gewaschen werden. Vier Mann warten schon auf meinen. Er wird eingeseift und dann will er ihn mit dem Hochdruckreiniger abwaschen. Ich protestiere. Er vermindert den Druck wesentlich auf Sprühnebel. So ist es in einigermaßen in Ordnung. Für 100 Hrywnja ist er inklusive Räder wieder picobello sauber und glänzt. Aber leider nur außen. Staub ist von dem Sturm am Schwarzen Meer noch drin. Valerijs wird übrigens auch gewaschen. Wir übernachten in Valerijs Hof. Leider ist die Hitze auch in der Nacht unerträglich. Aber hier können wir wenigstens wieder alle Fenster auf lassen. Heute steht der Besuch im Waisenhaus Rivne an. Wir wollen uns persönlich davon überzeugen, was mit unseren Spenden geschieht bzw. wer es neben Valerij verwaltet. Es ist Nil. Den will ich näher kennen lernen. Es sind beide, die die Ausflüge für die Kinder besprechen und ausführen. Einen Bericht darüber habe ich ja schon separat in unser Forum gestellt.

Für größeres Bild bitte klicken!Nil kommt wieder mit dem „Omnibus“. Über schlechte Straßen fahren wir in das 50 Kilometer entfernte Rivne. Die Straße ist eine Nebenstrecke und führt nur über Land und durch einige Dörfer.

In Rivne halten wir an einem „Magazin“, denn wir wollen doch nicht mit leeren Händen zu den Kindern kommen. Nil kauft einen Karton mit 5 Kilogramm losen Bonbons und zahlt dafür 6 Euro. Ich gebe ihm 60 Hrywnja und wir fahren damit in das Heim.

Dort werden wir schon von der Heimleiterin und den Kindern erwartet. Nil stellt mich als Initiator unserer Spende der Leiterin vor. Sie bedankte sich nochmals und die Kinder applaudierten. Etwas betreten von dem „Gedöns“ übergebe ich schnell den Karton mit den losen Bonbons. Vergriffen und gebunkert waren die gleich.

Für größeres Bild bitte klicken!Auf die dort angetroffenen Verhältnisse möchte ich nicht näher eingehen; es widerstrebt mir, darüber zu schreiben. Im Garten rief dann Nil zu einer kurzen Andacht, es wurde gesungen, und gemeinschaftlich gespielt. Viel Sinnvolleres außer der Schule gibt es da nicht. Nil schildert uns über Swetlana, dies wäre noch ein besser geführtes Heim. Die Leiterin gebe sich große Mühe, müsse aber oft bei Anfragen und Bitten für die Kinder bei den „Oberen“ die Segel streichen. Die seien da abweisend und würden mehr auf sich schauen. Aber lassen wir das. Im Großen und Ganzen aber sei sie froh, dass die Leute im westlichen Ausland nicht gleichgültig gegenüber ihren Problemen seien und ab und zu doch bisschen etwas bei ihnen ankommt.

Im anschließenden Gespräch mit der Heimleiterin übersetzte Swetlana, das Heim brauche unter anderem noch eine neue Großküche. Ich ließ ihr übermitteln, dass ich das nicht alleine stemmen könne und verneine. Ebenso fragte sie mich, ob ihr Haus nicht mit einem Waisenhaus oder einer ähnlichen Institution Verbindung in Deutschland aufnehmen kann. Diese Frage leitete ich ebenso an Nil weiter. Nil erklärte, er wolle darüber mit Jakob von der Freien Christlichen Gemeinde in  O…. diskutieren. Nach drei Stunden fuhren wir nach herzlicher Verabschiedung bedrückt und voller Gedanken die schlechte Straße nach Kirowograd zurück.

Für größeres Bild bitte klicken!Jeder Urlaub geht einmal zu Ende. Wir haben bisher viel erlebt, aber keine Angst, es gibt noch einiges zu berichten. Heute wollen wir zu Valerijs Eltern fahren und sind damit langsam auf der Heimreise. Sie wohnen in Pereiaslav – Khmelnytskyi.

Was, Ihr könnt das nicht lesen?  Dann probiert es doch mal hiermit:

Für größeres Bild bitte klicken!Wiederum lässt die Straße viel zu wünschen übrig, speziell in der Nähe des Krementschuker Stausee bei Tscherkassy. Über diese Trasse führt die Eisenbahnverbindung Moskau - Odessa. Allein bei diesem Satz, den ich gerade geschrieben habe, bekomme ich Fernweh. Ich würde gerne mit dem Hobby nach Moskau, aber meine Frau macht da nicht mit. Wird wohl ein Wunsch bleiben. Also zurück zu der Realität und weiter fahren.

Valerij stoppt, er hat wieder Stände entdeckt. Ich will Himbeeren. Valerij, bei der Nummer 30, die hat gute. Sie hat aber nur noch einen Becher. Nachschub woher? ….von der Nachbarin natürlich. Da ist keiner Futter neidisch, die helfen unter sich….

Für größeres Bild bitte klicken!Wir sind bei Valerijs Eltern. Nach der Begrüßung werden wir zu Tisch gebeten. Valerijs Mutter ist eine exzellente Köchin. Jetzt weiß ich, woher Valerij das hat. Aber wie immer, für mich viel zu viel. Es gibt viel mit Schmant bzw. Rahm als Beilage. Wer es will, ich habe darauf verzichtet. Es ist heiß und wir setzen uns in den Für größeres Bild bitte klicken!Garten. Was gibt es da? Kaffee und Kuchen. Valerijs Mutter stattet uns mit kleinen Erinnerungsgeschenken aus. Spät gehen wir schlafen und legen uns in unsere Hobby hinter dem Garten. Wir haben eine ruhige Nacht.

Zum Frühstück gibt es eine Teigtaschensuppe, die soll beim Fahren Glück bringen. Ich löffle sie zur Hälfte aus, ich kann nicht mehr. Gott sei Dank legt Valerij bei seiner Mutter ein für mich erlösendes Wort ein. Trotzdem hält sie dicke Menschen für gut und gemütlich. „Na ja, aber meine Knochen?“ meine ich. „Ich soll doch abnehmen….“

Wir diskutieren über unser letztes Reiseziel: Tschernobyl. Den Reaktor wollte ich aus der Nähe sehen. Nur kurz, ich will doch nicht dort Urlaub machen. Aber man blockt ab. Es sei mit Genehmigungen usw. verbunden, die man nicht von heute auf morgen bekommt. Ich weiß aber von Swetlana, das Thema will man in der Ukraine nicht so richtig angehen.

Dann kommt der Abschied. Alle vor das Gartenhaus und ein Erinnerungsfoto.


Für größeres Bild bitte klicken!Auf der Heimfahrt nach Deutschland müssen wir wieder über Kiew und Lemberg fahren. Der Kreis hat sich geschlossen.

Wir sind in Kiew und Valerij schleust uns durch die ganze Stadt. Von Ost nach West, wir müssen durch, wenn wir heim wollen. Die gute Autobahn von Kharkiv endet ungefähr beim Flughafen Kiew- Boryspil. Nicht mehr lange sehe ich Valerij vor mir herfahren. Schade, denke ich, war doch eine sehr schöne und interessante Reise.

Wir fahren diesmal eine andere Route als mit seinem Vater. Wir sind nochmals auf dem Kreschatik  (Einkaufsstraße in Kiew), fahren mitten durch, am EM- Endspielstadion 2012 vorbei und erreichen die Ausfallstraße (E 40) nach Lemberg.

  • 1045 Kiew2Kiew
  • 1046 Kiew2Kiew
  • 1047 Kiew2Kiew
  • 1048 Kiew2Kiew
  • 1049 Kiew2Kiew
  • 1050 Kiew2Kiew
  • 1051 Kiew2Kiew
  • 1052 Kiew2Kiew

Dort verabschieden wir uns wehmütig von unseren ukrainischen Freunden. „Wir sehen uns wieder“ sagt Valerij. „Nächstes Jahr in Deutschland“. Das macht es uns leichter. Valerij biegt links ab; ich gerade aus. Wir fahren beide in Richtung Heimat.

Für größeres Bild bitte klicken!Es wird dunkel, wir wollen wieder in Hoscha übernachten. An einer DAI- Station (Polizei- Station, erkennbar am Haus mit hohem Funkmast) hat einer mit einem schwarz-weißen Stab herumgefuchtelt und mich gestoppt. Da ich ihn nicht verstehe, winkt er mich aus dem Auto und führt mich zu einer Radarkamera. 70 km/h zeigt es an und ein Foto vom Hobby. Kein schönes Foto von einem Hobby 600, protestiere ich. 50 zeigt er mir mit den Fingern an und kritzelt Formeln auf einen Schmierzettel, die nicht einmal ein Mathematikprofessor versteht. Bei der Zahl 200 landet er und will die  „Dokumenta“  sehen. Hoppla, ich mit meinem alten, grauen Lappen. Wenn er den nicht akzeptiert, muss ein Dolmetscher her. Es gibt Vereinbarungen zwischen der EU und der UA, dass  der alte nationale Führerschein noch gilt. Hoffentlich weiß der das. Der graue Lappen ist einer der nationalen Führerscheine in Deutschland und gilt noch bis 2033. Er erkennt ihn aber an. Mehr scheinen ihn die 200 Hrywnja zu interessieren.  In Deutschland „Straff“ 10 Euro, versuche ich zu handeln.  Nein, er will 200 in bar. Die gebe ich ihm und er legt sie in einen einfachen Spiralblock.  Ich fordere einen Beleg. „Nix Protokoll“ sagt er,  „dawai, dawai… dobre dien…..“  Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und verschwinde schnell mit meinen Papieren. Ins bayerische übersetzt heißt das „hau ab und Servus“. Später betrachte ich es als „Spende“; was tut man nicht alles für Not leidende Polizisten und schmunzle.

Für größeres Bild bitte klicken!Das war übrigens die erste Begegnung mit der DAI und sogar freundlich und hilfsbereit, nicht streng und überheblich. Zu meiner Entschuldigung sei noch gesagt, da hätte kein unwissender Ausländer eine Chance gehabt.  90 … 70 …50 ….. alle 20 Meter ein Schild. Und dann noch mittendrin 30 für eine Tankstelleneinfahrt rechts. Ich habe ihn halt ausrollen lassen. Jetzt weiß ich, die Schilder stehen so an jeder Station. Wir übernachten wieder in Hoscha. Diesmal alleine und ohne Probleme. Wir gehen essen; natürlich Schaschlik. Am Morgen machen wir uns auf den Weg nach Lemberg und dann an die polnische Grenze.

Als wir an einem Friedhof vorbei fahren, mache ich eine für uns neue Beobachtung. An den meisten Gräbern steht eine Bank zum Verweilen. In Lemberg merke ich, es ist gar nicht so leicht sich ohne Führer Valerij zu Recht zu finden. Jetzt erst bemerke ich, dass die Richtungsschilder in der Stadt fehlen. Wir müssen nach Westen, da ist Polen. Ich fahre nach der Sonne, frage nach. „Poland, Premysl, Graniza Poland“   Man zeigt mir in etwa die Richtung. Ich finde eine Ausfallstraße und komme an das EM- Stadion. Nun kenne ich mich wieder aus und bin auf der E 40 Richtung Polen. Dann eine Brückenabzeigung ohne Wegweiser. Ich halte an und will auf die Karte schauen. Schon ist ein DAI- Polizist da und redet auf mich ein. Ich zucke mit den Achseln und deute unentwegt in der Karte auf Polen hin. Er merkt, dass ich mich auf nichts einlasse und dann wieder: „dawai, dawai“ sagt er mürrisch. Vielleicht hatte er mehr erwartet? Fluchtartig fahre ich weiter geradeaus und bin zum Glück auf der richtigen Straße nach Polen.

Für größeres Bild bitte klicken!Ukrainische Bahnübergänge sollte man unbedingt langsam überfahren, sonst springen die Tassen und Töpfe und es ist eine laute Tirade von meiner Frau zu hören. Also fahre ich auch dem Hobby zu Liebe lieber piano. Es geht ländlich zu, bis wir durch Horodok, die letzte größere Stadt in der Ukraine, an die Grenze kommen.                   

Diesmal hatten wir mehrere Autos vor uns und es dauerte inklusive Zollkontrolle im Wagen ca. 50 Minuten. Die „Trödler“ waren die Polen.  Im „Niemandsland“ stauten sich die Autos, nichts ging weiter. Der ukrainische Zöllner deutete immer wieder auf zwei Stangen Zigaretten hin und redete unaufhörlich. Wir verstanden nichts, sollten es aber auf polnischer Seite erfahren. Wir stehen vor der polnischen Abfertigung. Die Pässe werden eingesammelt und mit in das Zollhäuschen genommen. Als wir aufgerufen werden, nimmt meine Frau die zwei Stangen Zigaretten zum Vorzeigen mit. Auf einmal wird der Zöllner hinter der Glasscheibe unleidlich und kann nur noch polnisch. Er reißt die Stangen auf und gibt zwei Schachteln pro Person frei und zurück. Für die anderen Packungen soll sie Strafzoll zahlen und behält sie ein. Nur noch auf dem Luftweg sei seit einem halben Jahr eine Stange erlaubt. Er schreibt; es dauert. Es dauert; er schreibt. Nach einer Stunde kommt er endlich aus seinem Häuschen. „Follow me“ meint er und geleitet uns dreihundert Meter zu einer Halle mit Grube und Hebebühnen. Vor verschlossenem Tor warten wir wieder. Es dauert.  Das Tor geht auf und ich soll über die Grube fahren. Es dauert. Dann kommen zwei jüngere Beamte. Es stellt sich heraus, der eine kann ein bisschen deutsch und englisch. Ich erkläre in beiden Sprachen, dass wir das nicht gewusst haben und nicht mehr dabei haben. Für größeres Bild bitte klicken!Inzwischen kommt meine Frau vom „Gassi gehen“ mit unserem Hund im Zollhof zurück (hoffentlich hat er da anständig gepinkelt). Der Zöllner will noch ein Dokument, das im Auto ist. Da drückt sie ihm kurzerhand die Hundeleine in die Hand und will es holen. Der Zöllner ist zuerst verdutzt, dann erstaunt und schließlich lacht er. Die Lage war entspannter. Trotzdem will er noch ins Auto. Er macht einen Oberschrank auf und wieder zu, schaut einmal in die Runde und will noch unter die Motorhaube sehen. Er klopft links und rechts innerhalb an die Kotflügel. Das war’s dann. Eigentlich wollte ich jetzt was fragen, aber ich halte lieber die Klappe. Wir wollen die Pässe und Papiere zurück. Die hat der „Andere“. Es dauert. Endlich hat er alles, macht das Tor auf und wir fahren raus. Es dauert. Meine Frau bekommt einen Zettel und soll im Nebengebäude 105 Euro bezahlen. Sie geht hin. Es dauert. Sie nehmen keine Euro, sie soll Zloty im Kantor holen. Es dauert. Nun kann sie zahlen. Es dauert. Mit vier Zetteln Protokoll kommt sie zurück und die letzte Schranke geht auf, wir sind in „Freiheit“. Über vier Stunden hat es „gedauert“ und nun ist es 22:30 Uhr.

Von der Grenze bis nach Přemysl sind es 10 km. Zwei davon stehen Autos, die in die Ukraine wollen, in einer Schlange vor der Grenze. Na bravo, denke ich.

Ein freundlicher Tankwart tauscht mir in Přemysl spät abends 50 Euro in 210 Zloty. Ein sehr guter Kurs und ich gebe ihm dafür 5 Euro Trinkgeld. Ich bin noch zornig und deshalb muss das Geld in Polen zur Durchreise reichen. Es nieselt und wir stellen uns auf eine lange Fahrt in der Nacht ein. Doch nach 50 km sehe ich am Ortsende von Przeworsk zufällig ein beleuchtetes Campingplatzschild. Rezeption und Restaurant sind geschlossen, aber die Schranke ist auf. Ich fahre einfach rein und stelle mich neben zwei französische Wohnwagen. Erst um 0:48 Uhr mache ich das Licht aus. Am nächsten Morgen kommt der Besitzer und klopft ans Fenster. „Sie schulden mir 12 Euro“, meint er. Ich zahle und fahre weiter Richtung Breslau. Kurz vor Krakau wird die E 40 zur Autobahn. Von der Grenze bis hierher waren es teilweise schlechte Straßen, Ortsdurchfahrten oder ewig lange Baustellen mit Ampeln. Die E 40 soll bis zur Ukraine erst noch als Autobahn ausgebaut werden. Übrigens für Neugierige: Die E 40 ist mit über 8000 km die längste Europa-Straße. Sie beginnt in Calais (F) und endet in Ridder  (Kasachstan).

Für größeres Bild bitte klicken!Wir sind endlich wieder auf einer vernünftigen Autobahn. Meine Frau und der Hobby schnurren zufrieden vor sich hin. Wir kommen an Kattowitz vorbei. Kattowitz ist mit der oberschlesischen Steinkohle eng verbunden. Man erzählt, sie sei besser als die Kohle aus dem Ruhrgebiet.

Wir sind in Breslau, meiner Geburtsstadt. Hier bin ich öfters. Am besten gefällt mir der neu restaurierte Hauptbahnhof; was die EM nicht alles möglich machte! In Breslau suchen  wir am Samstagabend einen Campingplatz. An einer Tankstelle schickt man uns zum Olympia Stadion, da wäre einer. Durch Baustellen und Einbahnstraßen genervt, fahre ich immer im Kreis. Ich frage einen Polen. Der wollte zum Dämmerschoppen. „Das ist jetzt durch die Baustellen sehr schwierig. Warte hier“, meint er. Er kommt mit einem Benz und führt uns 20 Minuten lang durch Umleitungen und Baustellen zum Platz. Er habe einmal ein Jahr in Hamburg gearbeitet, lässt er uns wissen. Da habe er auch nicht gleich alles gefunden. So etwas gibt es auch.

Für größeres Bild bitte klicken!Von Breslau bis nach Hause sind es ungefähr 560 Kilometer. Die donnern wir am nächsten Tag auf der Autobahn durch. Wir wollen nach Hause.

In der Nähe von Bautzen trifft uns während der Fahrt fast nochmals der Schlag. Der Hund ist auch nicht zu finden. Er ist zu seinen Futterdosen unter der hinteren Sitzbank gekrochen. Was war los? Valerij hat uns zum Abschied noch 3 Liter selbst gemachtes Fruchtsaft- Getränk mitgegeben. Das gärte und dann ein lauter Bums. Am nächsten Autobahnparkplatz war Putznotdienst angesagt. Ich glaubte, ich steckte in einem Sauerkrautfass. Der säuerliche Duft hat sich aber wieder verzogen.

Das war dann auch der letzte Eindruck von unserem Trip. Wir sind wieder Daheim.


 Fazit der Reise in die Ukraine

Die Ukraine ist für uns ein relativ unbekanntes, aber ein sehr interessantes Land. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR muss noch viel aufgeholt und vor allem getan werden.

Im Bereich Touristik, hier besonders Campingreisen, bleiben alle Wünsche offen. So gesehen sind die wenigen Campingplätze nicht in unserem gewöhnten Standart; hauptsächlich die sanitären Anlagen sind mangelhaft. Meist liegt es aber an vielen Benutzern selbst und nicht an der Bauweise. Das ist eben in Osteuropa so. So leid es mir tut, aber auch bei uns ist manchmal nicht alles im Reinen. Da es wenige „Entsorgungsstellen“ gibt, haben wir das Problem auf die einfachste Weise gelöst. Hatten wir Bedarf, ein Kaffee oder ein Cola in einer Raststätte, einem Hotel oder Tankstelle, schon war die Sache geregelt. Wer also mit dem Wohnmobil fahren will und Ansprüche hat, sollte nicht in die Ukraine reisen. So viel hierzu.

Für größeres Bild bitte klicken!Die Orientierung ist schwierig. Wer kein bisschen Sprachkenntnis hat, tut sich schwer. Auch die englische Sprache hilft nicht viel weiter. In der Westukraine wenn möglich russisch vermeiden. Die mögen die Russen nicht. Es kann passieren, sie schicken einen statt nach Kiew wieder zurück Richtung Deutschland. 

Die Ukraine hat keinen übermäßigen Reisewert. Die wenigen wirklich schönen Sehenswürdigkeiten sind meilenweit von einander entfernt. Manche Strecken, wie z. B. zur oder auf der Krim, sind äußerst eintönig. Es ist Ausdauer von Nöten. Man findet viel Wald, Taiga ähnliches Gelände oder Steppe und riesige Felder vor.

Wer aber einmal etwas anderes erleben will, der ist in der Ukraine goldrichtig. Es gibt viele spannende Momente und es ist keine Fahrt für  „Weicheier“. Was zieht, ist das Exotische.

Es ist nicht ratsam:

  • Wasser aus der Leitung trinken
  • auffällige Kleidung, bzw. übermäßig Schmuck zu tragen
  • Geduld und Toleranz zu Hause lassen
  • nachts Autofahren
  • bei Pannen anderer auf einsamen Straßen anzuhalten
  • Wachsamkeit vernachlässigen
  • den Hobby 600 längere Zeit alleine lassen usw.

Aber, bis auf den ersten Punkt, muss man alles ja überall beachten.

Im Großen und Ganzen hatten wir aber eine wirklich sehr schöne Reise und danken vor allem:

  • Uljana und Valerij - für die Reiseleitung und vorzügliche Unterstützung,
  • den Eltern von Valerij - für die herzliche Aufnahme und Verpflegung,
  • Swetlana - für die Übersetzung während der Reise,
  • dem Präsidenten des Caravan- Club UA - für die Begrüßung und
  • allen anderen freundlichen Ukrainern.

Vielen Dank nochmals.

Den Bericht habe ich auch Nastya und ihrer Familie gewidmet.

Ein Klick für Neugierige:  www.westcamper.com.ua

 

Admin-Kommentar: Ich danke Klaus für diesen einzigartigen Bericht. Ich muss gestehen, ich hatte einiges an Arbeit damit. Aber ich hoffe, ich habe von den über 1000 Bildern die richtigen rausgesucht und aus den 183 Seiten Text nicht allzuviel weggekürzt.

Kommentare  

#11 Reise nach UkraineDitz 2015-03-19 10:06
Haben Größe interesse Krim zu sehen ,haben auch freunde da dazu kommt aber eine große Frage wie sieht es momentan aus. Kann mann dahin mit Wohnmobil fahren?
#10 RE: Eine Reise mit dem Wohnmobil durch die UkraineTex 2012-11-12 14:25
Ein sehr schöner Bericht mit vielen Infos
Danke! Ich denke, das ich diese Reise streckenweise auch antreten werde, mit einem Abstecher in die Karparten. Nochmal vielen Dank für diesen Bericht. :-)
#9 RE: Eine Reise mit dem Wohnmobil durch die UkraineKlaus.R 2012-11-07 17:34
zitiere Hobbytreiber:
Moin Klaus,

ich bin schon auf deinen nächsten Reisebericht gespannt!
Wie war das noch mit Rumänien?
Duck und weg :-*

Gruß Manni


Abwarten!!!!! Trotzdem allen Dank...
#8 HobbytreiberHobbytreiber 2012-11-07 17:31
Moin Klaus,

ich bin schon auf deinen nächsten Reisebericht gespannt!
Wie war das noch mit Rumänien?
Duck und weg :-*

Gruß Manni
#7 einfach toll...Fritz 2012-11-07 16:56
...ist Dein Bericht, lieber Klaus. Das macht große Lust, dort auch einmal hin zu fahren. Geht nicht, naja, träume ich halt davon. Ich freu mich schon auf Deinen nächsten Reisebericht. Grüße Susanne
#6 RE: Eine Reise mit dem Wohnmobil durch die Ukrainemaxe 2012-11-06 23:03
Hallo Klaus,

danke für diesen unglaublichen Reisebericht - hat mir beim Lesen sehr viel Spaß gemacht. Ob ich jemals in ein Land fahren werde in dem ich noch nicht mal die Schilder lesen kann ....????
Gruß Detlef
#5 RE: Eine Reise mit dem Wohnmobil durch die Ukrainederbaer21 2012-11-06 21:55
Moin Klaus,

wirklich ein toller Bericht über eine abenteuerliche Reise in ein Land, das so ganz anders ist als das, was man so kennt. Vielen Dank dafür.

Viele Grüße Dirk
#4 Ukraine - ReiseKlaus.R 2012-11-06 16:30
Hallo an alle,

vielen Dank für die "Blumen".

Den Bericht habe ich gern für unsere Gäste und Euch Mitglieder geschrieben.
Ist doch einmal von etwas anderem zu berichten, als dauernd von der Abzocke in einigen südlichen und anderen Urlaubsländern.

Vielen Dank auch an Wilfried für die Umsetzung des Berichtes ins Forum. Ich glaube ihm, daß dies ein paar Minuten Zeit gekostet hat ....

Mfg

Klaus
#3 Hans StimmelHans Stimmel 2012-11-06 11:55
Einfach toll, dieses spannende und bildreiche Reiseabenteuer. Man spürt
förmlich die Schlaglöcher beim lesen.
Vielen Dank Klaus. :roll:
#2 RE: Eine Reise mit dem Wohnmobil durch die Ukraineeileen 2012-11-06 10:31
Ein toller Bericht zu einer außergewöhnlich en Reise. Danke das ich daran teil haben dürfte!

Du hast keine ausreichenden Rechte

Die Galerie der Fahrzeuge

Aus dem Fotokatalog

Bilder aus dem Innenraum

Anmelden

TOP